Start-ups auf der Reisemesse : Klick, wisch und weg

Start-ups wollen mit neuer Technik die Reisebranche aufmischen. Auf der ITB werben sie für ihre Ideen.

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Die Verbreitung von Handys und Online-Portalen fördert neue Geschäftsideen – zu sehen auf der ITB.
Die Verbreitung von Handys und Online-Portalen fördert neue Geschäftsideen – zu sehen auf der ITB.Foto: dpa

Broschüren aus Papier und Hefter mit Frühstückszeiten und Notrufnummern suchen Gäste im Hotelzimmer von morgen vergebens. Ersetzt hat sie ein Tablet-PC, der auf dem Schreibtisch in seiner Dock-in-Station schlummert. So stellen sich zumindest Tilmann Volk und Moritz von Petersdorff-Campen das vor. Vor einem Jahr sind die 26-Jährigen auf der Tourismusmesse ITB noch von Halle zu Halle gelaufen und haben bei Hotelanbietern für ihre Idee geworben. In diesem Jahr sind sie bereits mit einem eigenen Stand auf der Messe vertreten und werben für ihr Berliner Start-up „Suitepad“. Die junge Firma ist damit einer von rund 170 Ausstellern, die auf der ITB neue Technologien vorstellen – und zeigen, wie sie das Reisen verändern.

„In ein bis zwei Jahren werden die Gäste nicht mehr überrascht sein, wenn im Hotelzimmer ein Tablet liegt“, prognostiziert Petersdorff-Campen, „in fünf Jahren wird es bereits selbstverständlich sein.“

Mit den Geräten der Berliner Firma können Hotelgäste zum Beispiel einen Tisch im Restaurant reservieren, etwas beim Roomservice bestellen oder sich über das Wetter und die Sehenswürdigkeiten vor Ort informieren. Die Hoteliers finden dadurch besser heraus, wofür sich die Gäste interessieren. Denn auf ihrem eigenen Gerät können sie sich anzeigen lassen, was der Gast auf dem Tablet angeklickt und was er darüber bestellt hat. Und: „Er spart dadurch Papier, weil er die Informationen, die im Hotelzimmer ausliegen, nicht mehr immer wieder neu ausdrucken muss“, sagt Petersdorff-Campen.

Die Suitepad-Gründer Tilmann Volk und Moritz von Petersdorff-Campen.
Die Suitepad-Gründer Tilmann Volk und Moritz von Petersdorff-Campen.Foto: promo

In den letzten Monaten haben die beiden Gründer 30 Häuser in zehn Ländern mit ihrem Suitepad ausgestattet. In diesem Jahr wollen sie weiter wachsen und hoffen, große Ketten von ihrem Konzept zu überzeugen. Auf der ITB sind sie in dieser Woche mit dem „Best Practice Award“ der Branchenvereinigung Travel Industry Club ausgezeichnet worden. Dabei sind die beiden Gründer längst nicht die einzigen, die eine Art virtuellen Concierge auf den Markt gebracht haben. So treffen sie auf der ITB gleich auf zwei Konkurrenten, die ihre Stände nur ein paar Meter von ihrem entfernt aufgebaut haben. Petersdorff-Campen findet das nicht schlimm, im Gegenteil. „Der Wettbewerb zeigt, dass es einen Markt für unser Produkt gibt.“

Während die meisten Aussteller auf der ITB seit  Jahren dabei sind, gehört die Halle 5.1 Neulingen. Die Messe Berlin hat diesen jungen Start-ups in diesem Jahr mehr Platz eingeräumt, dennoch waren die Flächen nach Angaben der Veranstalter schon im Januar ausgebucht.

Efrat Kaul-Granot ist bereits zum dritten Mal auf der Tourismusmesse. Cancelon steht auf der Rückwand ihres kleinen Standes. Die Gründerin aus Israel betreibt ein Onlineportal, auf dem Reisende ihre gebuchten Hotelzimmer an andere Nutzer abtreten können. Denn: Wer im Internet ein Zimmer bucht, verzichtet häufig auf die Möglichkeit, die Reservierung stornieren zu können, weil das den Preis senkt. Wer die Reise dann doch nicht antreten kann, muss das Zimmer trotzdem zahlen – oder er verkauft seine Reservierung über Cancelon weiter. „Der Markt für solche Dienstleistungen wächst“, sagt Kaul-Granot. Auch die Hotels profitierten davon, wenn die Gäste ihre Reservierung weiterverkauften statt einfach nicht zu erscheinen. „Die Hotels wollen nicht leer erscheinen“, sagt die Gründerin. „Außerdem geben die Gäste im Hotel auch Geld für Essen, Getränke oder Wellness aus.“ Sie selbst verdient an jeder Reservierung mit, die über ihre Website den Besitzer wechselt.

ITB 2012: Viele Farben, ein bisschen Prominenz
Ein als Pharao kostümierter Mann sortiert während der Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin in der Messehalle Ägyptens Papierrollen. Ägypten ist in diesem Jahr Gastland der größten Reisemesse Deutschlands.Weitere Bilder anzeigen
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09.03.2012 11:53Ein als Pharao kostümierter Mann sortiert während der Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin in der Messehalle Ägyptens...

34 Millionen Deutsche buchen ihren Urlaub mittlerweile lieber online als im Reisebüro, zeigt eine aktuelle Studie des IT-Branchenverbands Bitkom. Ein Viertel dieser Menschen orientiert sich bei der Buchung daran, wie andere Nutzer das Hotel oder den Reiseveranstalter im Netz bewertet haben. Für die Reiseanbieter ist das eine Herausforderung: Sie müssen ständig im Blick haben, wie sie wo bewertet worden sind. Helfen wollen Moritz Klussmann und Torsten Sabel, die beiden Gründer des Berliner Start-ups Customer Alliance.

Sie haben eine Software entwickelt, über die Hotels leichter analysieren können, wie die Nutzer sie auf welchen Portalen bewerten. „Das macht es ihnen leichter, auf schlechte Bewertungen zu reagieren“, sagt Klussmann. Außerdem können sie sich per Mausklick mit ihren direkten Wettbewerbern vergleichen und sehen, wie das Hotel schräg gegenüber im Netz abschneidet. Das Start-up kassiert für den Service eine Basisgebühr und eine monatliche Pauschale. Das Geschäft laufe gut, sagt Klussmann. „Im März machen wir zum ersten Mal Gewinn.“

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