Start-ups : Damit Ideen wachsen können

Welches Umfeld brauchen Gründer, um erfolgreich zu sein? Deutschland und Asien können hier voneinander lernen.

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Die Offenheit Berlins, das Multikulturelle, schätzen internationale Start-ups. Auch die vielen Hochschulen sind guter "Humus" für die Gründerszene.
Die Offenheit Berlins, das Multikulturelle, schätzen internationale Start-ups. Auch die vielen Hochschulen sind guter "Humus" für...Foto: Gregor Fischer/dpa

Wenn Experten von einem Ökosystem sprechen, loben sie vor allem die guten Bedingungen für Organismen verschiedener Art. Was auf die Umwelt zutrifft, lässt sich auch auf die Wirtschaft übertragen. Damit neue, kreative Geschäftsideen reifen können, brauchen sie ein gutes Umfeld. Sowohl in Asien als auch in Berlin wird daran gearbeitet, diese Bedingungen zu schaffen und zu erhalten.

„Start-ups in Asien und Berlin unterscheiden sich nicht von Start-ups, die in London, Sao Paolo oder New York gegründet werden“, sagt Mario Glowik, Management-Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. „Das Wichtigste ist, sie erst einmal zusammen zu bringen.“ Im Vergleich zu großen Unternehmen haben Start-ups kaum finanzielle Ressourcen und Budgets für Marketing. Sie brauchen Netzwerke und den Austausch mit anderen Unternehmen und Investoren, um ihre Geschäftsideen bekannt zu machen.

Es sind vor allem die digitalen Technologien, die etlichen Start-ups zu Erfolg verhelfen. Aber auch der Schutz der Umwelt macht sich als Geschäftsmodell langfristig bezahlt. Dazu gehören etwa Angebote zur Wasser- oder Luftreinigung, es geht um Müllverwertung und Abfallvermeidung. Gerade in China oder auch Brasilien ist die Umwelt zunehmend ein Thema, das Menschen, Politik und Wirtschaft umtreibt.

Die Hochschulen sind die Brücken ins Ausland

Um den Gründern von morgen beste Bedingungen zu bieten, setzt Experte Glowik auf eine gute Ausbildung. „Mit der relativ hohen Zahl an Hochschulen hat Berlin hier beste Voraussetzungen“, sagt der Management-Professor. Anders als Großkonzerne bieten Start-ups keine Traineeprogramme an, um die Experten auszubilden, die sie für ihre Geschäftsidee brauchen. „Die Hochschule kann die Brücke beispielsweise nach China oder Vietnam sein“, sagt Glowik. Ihm geht es um eine international ausgerichtete Lehre, in der nicht nur Wirtschaft unterrichtet, sondern auch Fremdsprachen und der Austausch über Auslandsprogramme gefördert werden.

Experten bescheinigen Berlin ein riesiges Potenzial für eine wachsende Start-up-Szene. Sie schätzen die Offenheit der Stadt, das Multikulturelle, aber auch die gute Infrastruktur, etwa mit öffentlichen Verkehrsmitteln. „Natürlich herrscht ein hoher Druck in den jungen Firmen, aber die Mitarbeiter schätzen die Freiheit, die ihnen ihre Arbeit bietet“, sagt Glowik. Hinzu kommt, dass Berlin – anders als etwa Sao Paolo in Brasilien – relativ sicher ist. Zudem sind die Lebenshaltungskosten noch recht gering. In Paris, London, New York oder Tokio sind die Mieten kaum bezahlbar, selbst ein einfaches Leben verschlingt viel Geld.

Allerdings zögern viele Geldinstitute in Deutschland, ein größeres Risiko einzugehen und Kapital für innovative Geschäftsideen freizugeben. In anderen Ländern gibt es da weniger Probleme. Hürde und Hilfe zugleich ist die deutsche Bürokratie. Der Papierkram, der erledigt werden muss, schreckt zwar einerseits ab. Andererseits tragen formalisierte Strukturen zur Stabilität bei. Auf Deutschland und deutsche Geschäftspartner könne man sich verlassen, heißt es. „In Asien sind dagegen persönliche Netzwerkbeziehungen extrem wichtig“, sagt Glowik. Wenn man den richtigen Ansprechpartner kennt, ist er der Türöffner.

Mehr Investitionen in Infrastruktur und Bildung

Ein weiterer Unterschied: Bildung hat in Asien einen höheren Stellenwert als in Europa; Eltern legen großen Wert auf eine gute Ausbildung. Die geschäftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen sind geprägt von Hierarchien und Disziplin, aber auch von Langfristigkeit und Loyalität. „Beide Systeme können von einander lernen“, findet Mario Glowik. Auch um diesen Austausch zu fördern, sind Schulen und Hochschulen gefragt.

Von staatlichen Subventionen nach dem „Gießkannenprinzip“ hält der Wissenschaftler wenig. „Steuergeldbasierte Förderprogramme sind viel zu kurzfristig gedacht“. Er schlägt stattdessen mehr Investitionen in Infrastruktur und Bildung vor. Dazu gehörten etwa der bilinguale Unterricht in Grundschulen und mehr Forschungs- und Lehrprogramme im Verbund mit ausländischen Hochschulen.

Die Bedingungen sind zwar gut, doch sie könnten noch besser sein. Hält Glowik Vorträge in Asien, wird er oft darauf angesprochen, warum Deutschland in der Anwendung neuer Technologien so weit hinterherhinke. „Gerade in diesem Bereich könnte man die Geschäftsbeziehungen zu Asien nutzen und weiterentwickeln“, sagt der Management-Experte. Auch bei ganz praktischen Dingen hoffen Investoren und Unternehmer aus Asien auf Verbesserungen. Etwa wenn es um den neuen Flughafen geht: Geschäftsleuten würde so die Anreise nach Berlin erleichtert.

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