Start-ups in Asien : Verrückt, aufstrebend, finanzstark

In Fernost herrscht Gründungseuphorie. Vor allem in Schwellenländern werden viele neue Geschäftsmodelle ausprobiert

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Mit der Wirtschaft wächst auch der Wohlstand: Im indonesischen Jakarta haben viele Start-ups ihren Sitz.
Mit der Wirtschaft wächst auch der Wohlstand: Im indonesischen Jakarta haben viele Start-ups ihren Sitz.Foto:Reuters/Beawiharta

Selten zuvor war das Umfeld für Start-ups in etlichen asiatischen Staaten so gut wie heute; vielerorts herrscht eine fast euphorische Stimmung. Es sind vor allem die digitalen Technologien, mit denen die jungen Unternehmen Geld verdienen wollen. China zählt zu den lukrativsten Märkten.

„Die Lage für Start-ups in Peking schwankt zwischen aufregend und total verrückt“, sagt Qin Liwen, Gründerin und Geschäftsführerin von Trends Eurasia. Von Berlin aus hilft sie europäischen und chinesischen Investoren und Unternehmen, Investitionsmöglichkeiten und Technologien in Europa und China zu finden. Liwen profitiert dabei von einem großen Netzwerk an Forschungseinrichtungen, Förderern, Behörden, Nichtregierungsorganisationen und Anwälten.

An Geld zu kommen, sei für Start-ups mit guten Ideen kein Problem, sagt Liwen. In Peking haben 40 sogenannte Unicorn Companies – Einhornfirmen – ihren Sitz. Das sind Start-ups mit einem Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Damit rückt Peking auf Platz 2, gleich nach dem Silicon Valley in den USA. Chinesische Investoren zeigen eine hohe Risikobereitschaft. Selbst wenn nur ein Konzept, etwa für eine App, vorliegt, stellen Interessenten Geld bereit.

Die Konkurrenz ist riesig, der Erfolgsdruck hoch

Zugleich ist die Konkurrenz riesig, vor allem im Bereich Telekommunikation und Medien. „Diese Art von Wettbewerb verbrennt die Start-ups, die nicht gut genug gegen ihre Rivalen kämpfen und sich nicht schnell weiterentwickeln“, sagt Liwen. Der Druck, zu den Besten zu gehören, ist hoch. Ermunterung gibt es von der Stadt Peking. Sie stellt Fördermittel zur Verfügung, es gibt Arbeitsräume zu geringen Mieten und gute Kredite für einheimische Studierende, die eine Firma gründen wollen. Hinzu kommen steuerliche Vergünstigungen für ausländische Studenten. Auch viele bürokratische Hürden wurden abgebaut.

Was für China gilt, zeigt sich auch in Indonesien, Vietnam und Malaysia. Diese Länder gelten als „aufstrebende Märkte“, als Schwellenländer, deren Wirtschaft wächst. Mit dem Wohlstand haben auch immer mehr Menschen mehr Geld zur Verfügung. Vor allem in Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens, haben viele Start-ups ihren Sitz. Zu den erfolgversprechendsten gehören etwa die Erfinder der App HappyFresh, die den digitalen Einkaufszettel ihrer Nutzer entgegennimmt; den Gang zum Supermarkt erledigen Mitarbeiter des Unternehmens. Nach Jakarta und Kuala Lumpur will es weitere Firmensitze in Bangkok und Taipeh eröffnen. Während die Märkte in Japan oder Südkorea bereits relativ gesättigt sind, werden in den Schwellenländern viele Geschäftsmodelle ausprobiert.

Auch im eher konservativen Japan breitet sich der Gründergeist aus

Auf ein konservativeres Umfeld stoßen Gründer im japanischen Tokio. Das Geld ist da, doch nur schleppend wächst die Bereitschaft, mit einer Idee notfalls auch zu scheitern; Versagen gilt als Tabu in der japanischen Gesellschaft. Doch der Gründergeist breitet sich aus. So wurde etwa in Fukuoka eine Sonderzone für Start-ups eingerichtet. Großkonzerne wie Honda fördern und finanzieren Ideen und Firmen ehemaliger Mitarbeiter. Wissenschaftler bringen ihre Geschäftsideen verstärkt selbst aus der Uni auf den Markt.

So unterschiedlich die asiatischen Länder sind, sie haben eines gemeinsam: Sie sind offen für Investoren und Fachkräfte aus aller Welt. „Hier könnte Deutschland viel mehr tun“, sagt Expertin Qin Liwen. Asien mache sich bereit für eine neue Generation innovativer Unternehmer. Deutschland stehe hier noch am Anfang.

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