Start-ups in Tel Aviv : "Talente aus der ganzen Welt"

Björn Lasse Herrmann und sein Team haben sich Start-ups in der ganzen Welt angeschaut und herausgefunden, dass Tel Aviv ein besonders guter Ort für sie ist.

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Björn Lasse Herrmann ist am Bodensee geboren, lebt heute in San Francisco. Er ist Chef von Compass. Das Unternehmen unterstützt Gründer beim Firmenaufbau.
Björn Lasse Herrmann ist am Bodensee geboren, lebt heute in San Francisco. Er ist Chef von Compass. Das Unternehmen unterstützt...Foto: privat

Herr Herrmann, Sie haben untersucht, was Start-ups erfolgreich macht, und eine Rangliste der Orte erstellt, die Gründern die besten Rahmenbedingungen bieten. Das Silicon Valley liegt im Ranking vorn, gefolgt von Tel Aviv. Berlin erreicht nur Platz 15. Wie haben Sie das herausgefunden?

Wir haben uns 250 verschiedene Attribute angeschaut: Angefangen von der Zahl der Unternehmen, die gegründet werden, gemessen an der Bevölkerungsgröße, über das zur Verfügung stehende Kapital, das Wachstumstempo der Start-ups, die Zahl der Talente, die zugehörige Infrastruktur wie etwa Berater und die Risikobereitschaft der Unternehmer bis hin zu der Geschwindigkeit, in der neue Technologien adaptiert werden.

Berlin schneidet nicht sehr gut ab. Warum?

Bis vor kurzem wäre Berlin in dem Ranking gar nicht aufgetaucht. Als Innovationszentrum hat die Stadt keine Rolle gespielt. Viel mehr gab es überall in Deutschland verteilt verschiedene Mini- Ökosysteme. Doch das ändert sich gerade, Berlin zieht immer mehr Gründer an. Das Resultat dieser Konsolidierung müssen wir abwarten. Es braucht Zeit, bis die ersten erfolgreichen Unternehmen international sichtbar werden.

Warum ist das kleine Tel Aviv besser?

Das liegt an der Tradition. Die Stadt ist bereits seit 20 bis 30 Jahren ein Innovationszentrum. Ein Hauptgrund ist, dass es Tel Aviv gelungen ist, eine Menge Talente aus der ganze Welt anzuziehen, die dort gründen wollen. Und es liegt an dem unternehmerischen Geist, der in der Stadt seit ihrer Gründung 1909 herrscht. Hinzu kommt, dass Tel Aviv in der globalen Gründerszene sehr gut etabliert ist. So gibt es im Silicon Valley eine starke Gruppe israelischer Unternehmer, und andererseits haben viele Risikoinvestoren, die dort sitzen, auch eine Niederlassung in Tel Aviv. Schließlich spielt auch das Militär eine wichtige Rolle, das technologisch sehr fortschrittlich ist. Die Stärke bei Sicherheitssoftware zum Beispiel hat sicher ihren Ursprung im Militär.

Was kann Berlin von Tel Aviv lernen?

Vor allem die ausgeprägte Gründerkultur. Berlin ist unglaublich stark, wenn es um Kunst, Kultur und Kreativität geht. In Tel Aviv verstehen sie etwas vom Geldverdienen. In Berlin gibt es auch nicht so viel technisches Talent. Hier werden viele Firmen von Betriebswirten gegründet. Die großen Erfolge sieht man daher vor allem im elektronischen Handel, wo technische Innovationen nicht so relevant sind, sondern es mehr um Geschäftsmodelle geht.

Kann die Stadt Berlin auch etwas tun, um das Gründungsklima zu verbessern?

Tel Aviv hat sich sehr geschickt angestellt in der Art, wie die Stadt Risikokapital zur Verfügung stellt: immer gemeinsam mit privaten Geldgebern. So entscheiden nicht Bürokraten darüber, wer das Geld bekommt.

Björn Lasse Herrmann ist am Bodensee geboren, lebt heute in San Francisco. Er ist Chef von Compass. Das Unternehmen unterstützt Gründer beim Firmenaufbau. Das Gespräch führte Corinna Visser.

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