Wirtschaft : Starttermin Oktober für das Pfandsystem ist gefährdet

Handel will Technik einführen, die es noch gar nicht gibt

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Düsseldorf (cs/HB). Der von Handel und Industrie zugesagte Starttermin für das DosenRücknahmesystem ist unsicher. Davon gehen Experten aus, die an den Verhandlungen im Kreis der Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt (AGVU) beteiligt sind. „Der Termin 1. Oktober ist mit Sicherheit nicht mehr zu halten", sagte Trinkpack-Vorstand Peter Meißner dem Handelsblatt. Nach dem jüngsten Beschluss des federführenden AGVU-Exekutivausschusses könne man schon froh sein, wenn der 1. Januar 2004 eingehalten werde.

Am vergangenen Freitag hatte das Gremium in Köln sämtlichen vier vorhandenen Rücknahmesystemen eine Absage erteilt. Überraschend fordern die Top-Manager der großen deutschen Handels- und Abfüllerkonzerne nun eine Sicherheitstechnik, die es auf dem Markt in dieser Form noch nicht gibt. „Die Entscheidung hat uns vom Stuhl gehauen", sagte Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Man habe für etwas gestimmt, für das es noch nicht einmal eine Systembeschreibung gebe, kritisierte der Verbandsgeschäftsführer. „Wir fragen uns natürlich, wie sehr dies nun das ganze Verfahren verzögert."

Streit um Sicherheitsmarkierung

Die Bedenken sind keineswegs unbegründet. Denn fest steht bislang nur: Die Einweggetränkeverpackungen sollen eine Farbmarkierung erhalten, die von den Rücknahmeautomaten erkannt wird – ein Verfahren, wie sie etwa der US-Hersteller Videojet oder die Bundesdruckerei anbieten. Doch Kopfzerbrechen bereitet den Technikern die Entwertung der aufgedruckten Pfandlabels. Schließlich sieht die Wunschliste des Exekutivausschusses ausdrücklich vor, dass die Getränkeverpackungen dazu nicht zerstört werden sollen. „In der Theorie gibt es Lösungen mit organischen Farben, die sich nach der Behandlung mit UV-Licht verändern", berichtet Technikexperte Meißner. Doch diesem Verfahren sind seiner Ansicht nach klare Grenzen gesetzt: Auch die UV-Strahlung im Sonnenlicht könne die Farbe verändern und die Pfanddosen damit ungewollt entwerten.

Bei der Berliner AGVU hält man solche Einwände für unnötige Aufregung. Die zusätzlichen Anforderungen an das Rücknahmesystem seien rasch zu lösen, der Termin 1. Oktober werde eingehalten. Doch das scheint eher unwahrscheinlich. Denn ursprünglich sollte bereits am vergangenen Wochenende eines der vier konkurrierenden Systeme den offiziellen Auftrag erhalten. Neben der RWE-Umwelt-Tochter Deutsche Pfand AG hatte sich vor allem der norwegische Automatenhersteller Tomra Systems ASA gute Chance ausgerechnet. Nun aber soll es noch einmal zwei Monate dauern, bis ein neues System nach den Wünschen des Exekutivausschusses präsentiert wird.

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