Startupbootcamp : Ein Trainingslager für Gründer

Das Berliner Startupbootcamp startet in die dritte Runde. Die jungen Unternehmer kommen aus der ganzen Welt.

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Alles unter einem Dach. Das „Rainmaking Loft“ bietet Arbeitsplätze für Start-ups. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Alles unter einem Dach. Das „Rainmaking Loft“ bietet Arbeitsplätze für Start-ups.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Alex Farcet ist im Jagdfieber. „Jetzt schicken wir unsere Kundschafter in die ganze Welt, um die besten Start- ups für unser Programm zu finden“, sagt der Mitgründer und Geschäftsführer des Startupbootcamps. Die Jagdsaison wird bis Mai dauern. Bis dahin werden sich rund 500 Teams bewerben, um zu den zehn Auserwählten zu gehören, die ab August an dem Programm teilnehmen können. Das Startupbootcamp ist eine Art intensives Trainigslager für junge Unternehmer. In drei Monaten sollen sich die Start-ups so weit entwickeln, dass sie reif sind, Investoren von sich zu überzeugen.

Anders als etwa die Gründerprogramme von Microsoft oder SAP ist das Startupbootcamp unabhängig von Konzernen. „Wir konzentrieren uns auf technologiegetriebene Start-ups“, sagt Farcet. „Und wir sind sehr international. 80 Prozent unserer Teilnehmer kommen von außerhalb Deutschlands.“ Die jungen Unternehmer bekommen ein Startkapital von 15 000 Euro, einen Arbeitsplatz, eine intensive Betreuung durch Mentoren und am Ende der drei Monate die Chance, sich vor internationalen Investoren zu präsentieren. Dafür müssen sie acht Prozent der Anteile an ihrem Unternehmen an das Startupbootcamp abgeben. Hinter dem Startupbootcamp stehen private Investoren wie Alex Farcet und Sponsoren wie die Risikokapitalgeber West-Tech- Ventures und Venista Ventures sowie Mercedes-Benz oder Bosch. In Berlin findet das Programm zum dritten Mal statt, weitere Startupbootcamps gibt es in Amsterdam, Kopenhagen, Dublin, Israel und Eindhoven.

Avuba entwickelt das Girokonto der Zukunft

Avuba ist eines der Start-ups, das das Trainingslager bereits absolviert hat. Das Team von inzwischen elf Leuten hat nicht weniger vor, als das Girokonto der Zukunft zu entwickeln, das Girokonto auf dem Smartphone. „Die Banken verstehen die Kunden nicht“, konstatiert Geschäftsführer Jonas Piela. Und die mobilen Anwendungen der etablierten Institute seien einfach nicht auf dem Stand der Technik, Avuba will das ändern. Überweisen soll so einfach werden wie eine SMS zu verschicken. Außerdem soll die App die persönliche Finanzplanung einfacher machen, also das Haushaltsbuch ins digitale Zeitalter bringen. Es gehe nicht darum hip zu sein, „wir lösen ein wichtiges Problem“, sagt Piela. Eine Partnerbank hat Avuba bereits gefunden, auch erste Testkunden gibt es schon. Bald wird es weitere Neuigkeiten geben, verspricht Piela.

Das Rainmaking Loft bietet Arbeitsplätze für Gründer

Am Startupbootcamp schätzt er unter anderem auch die Vernetzung und den Austausch mit anderen Gründern und Investoren. An diesem Morgen sitzt das Team mit etwa 30 anderen Gründern zusammen im Rainmaking Loft, einer Art Arbeits-WG für Start-ups in der Nähe des Checkpoint Charlie. Hier ist auch das Startupbootcamp Mieter und seine Teilnehmer werden hier ihren Arbeitsplatz bekommen. Beim Frühstück tauschen sich die angehenden Unternehmer über ihre Projekte aus. Die Sprache ist Englisch, denn die Gründer kommen unter anderem aus Mexiko, Italien, Holland Israel oder Frankreich. An diesem Tag sind auch zwei Kundschafter aus der Industrie im Rainmaking Loft zu Gast – einer aus Japan, einer aus den USA – um zu sehen, an was hier gearbeitet wird. „Berlin ist ein Magnet für kreative Köpfe aus der ganzen Welt – und immer mehr auch für internationale Investoren“, sagt Farcet. Er ist selbst das beste Beispiel dafür, Farcet ist Mitte 40, in Spanien geboren, in Afrika aufgewachsen, in England zur Schule gegangen, er hat einen französischen Pass und ist mit einer Dänin verheiratet. Berlin ist für ihn derzeit der spannendste Ort, deswegen ist er hier.

Auch Investoren sind vor Ort

Das Rainmaking Loft bietet auf 1000 Quadratmetern nicht nur angehenden Unternehmern Platz. Über eine aus Industriepaletten gefertigte Treppe erreicht man die Angel-Etage. Dort können Business Angels Schreibtische mieten. Das sind erfolgreiche Geschäftsleute, die Geld in Start-ups investieren wollen. „Wir haben festgestellt, dass es auch im digitalen Zeitalter wichtig ist, dass Menschen sich treffen und austauschen“, sagt Farcet. „Deswegen holen wir auch die Investoren ins Haus.“ Und während ein Start-up pro Arbeitsplatz 200 Euro im Monat zahlt, inklusive Internetanschluss, Drucker und Kaffee, zahlen Business Angels nur 50 Euro für ihren Platz.

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