Statistik : Rekord bei privaten Insolvenzen

Während es immer weniger Unternehmenspleiten in Deutschland gibt, bricht die Zahl der privaten Insolvenzen alle Rekorde. Das gab das Statistische Bundesamt am Freitag bekannt.

Wiesbaden/Berlin - Nach Angaben des Statistischen Bundesamts meldeten allein im August 6097 Verbraucher Insolvenz an, 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dies war der höchste bisher festgestellte Monatswert - allerdings hält der Trend schon seit Jahren an. Auch in den ersten sieben Monaten 2005 legten die Privatinsolvenzen bisher um 41 Prozent zu. Hintergrund ist vor allem der wachsende Bekanntheitsgrad der Regelung, die Schuldengeplagten einen Ausweg aus ihrer Notlage ermöglicht.

Nach Branchenangaben gibt es in Deutschland etwa drei Millionen überschuldete Haushalte. Verglichen mit dieser Größe ist die Zahl der Verbraucherinsolvenzen immer noch relativ gering, Experten rechnen daher auch in Zukunft mit Rekordmarken. Seit der Einführung des neuen Insolvenzrechts 1999 wurden in den vergangenen Jahren immer mehr Betroffene auf die Möglichkeit einer Entschuldung aufmerksam. Hinzu kommt, dass die Bedingungen erleichtert wurden: So können seit 2001 auch die Gerichtskosten gestundet werden.

«Vor zwei, drei Jahren wussten viele Leute noch gar nichts von der Insolvenzregelung. Inzwischen wird mehr Aufklärung betrieben», erläutert Helga Springeneer vom Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin den Trend. Schuldner und Gläubiger könnten sich leichter einigen, wovon auch die Wirtschaft insgesamt profitiere. «Es gibt noch keine Anzeichen dafür, dass dieses Verfahren missbräuchlich genutzt wird.»

Gründe für Überschuldung gibt es viele - sie reichen von Arbeitslosigkeit oder langer Krankheit des Hauptverdieners einer Familie bis hin zur massenhaften Bestellung von Klingeltönen oder Logos fürs Handy, die gerade Jugendlichen zum Verhängnis werden kann. Auch die immer aufdringlichere Werbung der Banken für Sofortkredite hinterlässt nach Einschätzung von Experten ihre Spuren. Können Kredite nicht rechtzeitig zurückgezahlt werden, empfehlen die Verbraucherschützer, sich möglichst früh an eine Beratungsstelle zu wenden.

Bevor es zur Insolvenz kommt, muss der Schuldner versuchen, sich mit seinen Gläubigern außergerichtlich, zum Beispiel auf eine Ratenzahlung, zu einigen. Gelingt dies nicht, kann er beim Amtsgericht den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen. Erzielt auch das Gericht keine Einigung, wird ein Insolvenzverwalter eingesetzt, der das Vermögen des Überschuldeten auf die Gläubiger aufteilt. Dann beginnt die sechs Jahre dauernde «Wohlverhaltensphase»: Ein Teil des Gehalts wird währenddessen gepfändet, Erbschaften müssen zur Hälfte abgegeben werden. Nach Ablauf dieses Zeitraums erlässt das Gericht die Restschulden.

Die Zahl der Insolvenzen von Firmen sank im August um ein Prozent auf 3103. Auch diese Entwicklung spiegelte einen - allerdings schwächeren und relativ neuen - Trend wieder: Seit Jahresbeginn ging die Zahl der zahlungsunfähigen oder überschuldeten Unternehmen dank der etwas besseren wirtschaftlichen Entwicklung um vier Prozent zurück. Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger in den Insolvenzverfahren bezifferten die Gerichte im August auf insgesamt 2,9 Milliarden Euro. Davon entfielen etwa 60 Prozent auf Unternehmen. (Von Alexander Missal, dpa)

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