Wirtschaft : Statistik stört Stoibers Wahlkampf

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Ausgerechnet im Stoiber-Land Bayern ist die Arbeitslosigkeit zuletzt am stärksten von allen Bundesländern gestiegen – und das zweieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl. Im August suchten 378 750 Menschen im Freistaat einen Job, das waren 19,5 Prozent mehr als im Vormonat. Der Spott der SPD war der Union damit sicher. Läge Bayern im Bundestrend, wäre die Zahl der Arbeitslosen bereits unter die Marke von vier Millionen gesunken, lästerte SPD-Generalsekretär Franz Müntefering. „Stoiber kann sich nicht aufs hohe Ross setzen“, befand er.

Sinkt der Stern des wirtschaftlichen Vorzeigeprojektes Bayern nun also? Das Landesarbeitsamt in Nürnberg sieht die neuen Zahlen etwas nüchterner. Ein Sprecher verweist auf den so genannten statistischen Basiseffekt: Vor einem Jahr war die Arbeitslosigkeit in Bayern noch gering, es herrschte nahezu Vollbeschäftigung. „Die Zunahme um 61 500 im August bedeutet deshalb eine hohe prozentuale Veränderung“, sagt ein Sprecher der Behörde. Das habe es auch schon in den vergangenen Monaten gegeben – im Juli lag der Anstieg bei 19,9 Prozent, im Juni bei 19,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Aber nicht nur die Statistik ist Schuld. „Die Pleiten in der New Economy, also der Firmen rund um Internet und Telekommunikation, belasten besonders den Raum München“, sagt Karl Künzinger, Chefvolkswirt der Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern. Weil es in der Bayern-Metropole so viele Technik-Firmen wie nirgendwo sonst in der Republik gebe, leide unter der Branchenkrise auch besonders der regionale Arbeitsmarkt. Ohnehin treffe die Flaute der Weltwirtschaft den Freistaat. Etwa beim Export, der dort stark vertreten sei und unter der schwachen Nachfrage leide. Oder beim Tourismus: Sparzwang und Dauerregen haben laut IHK-Experte Künzinger den Touristen die Urlaubslaune in den bayerischen Ferienzielen vermiest.

Die Krise hat also auch Bayern erreicht. Trotzdem kann Berlin von solchen Verhältnissen nur träumen – hier ist die Arbeitslosigkeit derzeit fast dreimal so hoch. brö

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