Wirtschaft : Statistiker: Euro ist kein Preistreiber

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Die Einführung des Euro-Bargeldes hat die Preise in Deutschland nicht signifikant nach oben getrieben. "Auf den gesamten Preisindex für die Lebenshaltung aller Privathaushalte hat dies keinen erheblichen Einfluss", sagte Johann Hahlen, Präsident des Statistischen Bundesamtes (Destatis) am Freitag. Allerdings haben die Statistiker Ausreißer festgestellt: Dazu gehören Chemische Reinigungen, Frisöre, Kinos, Zeitungs-Abos, das gezapfte Pils und einzelne Lebensmittel. Hier kletterten die Preise zwischen Dezember 2001 und Januar 2002 um bis zu 2,6 Prozent. Dies weise auf Euro-bedingte Preisanhebungen hin. "Wissenschaftlich lässt sich dies allerdings nicht sauber belegen, wir können keine Motivforschung betreiben", sagt Hahlen.

Der Chef-Statistiker weist darauf hin, dass die Inflationsrate mit 1,6 Prozent im Januar und einer ähnlichen Ziffer im Februar im Trend liege. Insofern gebe es keinen Grund zur Aufregung. Die, so Hahlen, "punktuell deutlichen Veränderungen" betreffen im übrigen Produkte, die nur eine kleine Rolle im gesamten Warenkorb spielen. Chemische Reinigung etwa hat ein Gewicht von weniger als 0,1 Prozent, der Frisör-Besuch liegt bei 1,2 Prozent. Dagegen schlägt die Miete mit 27,5 Prozent zu Buche. Und hier gab es keine Euro-Aufschläge.

Nach den Erkenntnissen der Statistiker sind Chemische Reinigungen von Januar 2001 bis Januar 2002 um 4,2 Prozent teurer geworden. Dabei schlägt der Euro mit 0,7 Prozentpunkten zu Buche. Hier liegt allerdings der Verdacht nahe, dass die Umstellung von D-Mark auf Euro generell zu Preiserhöhungen genutzt wurde. Denn zum Jahreswechsel 2000/2001 gab es keinen deutlichen Preisaufschlag. Ähnliche Vorwürfe müssen sich die Frisöre gefallen lassen. Haarschnitte sind von Januar 2001 bis Januar 2002 um 4,1 Prozent teurer geworden; 0,5 Prozentpunkte entfallen, so die Statistiker, auf den Euro. Auch hier registrierten sie zum Jahreswechsel 2000/2001 keinen deutlichen Preisanstieg. Bei Lebensmitteln insgesamt bewege sich der Preisaufschlag im vergangenen Jahr mit 2,6 Prozent, so Hahlen, im Rahmen.

Insgesamt hat Destatis mit Unterstützung der Bundesbank 18 000 Preisreihen ausgewählter Alltagsgüter aus 35 Produktgruppen analysiert. Dabei ergab sich, dass von den Preisveränderungen, die auf den Euro zurückzuführen sind, 60 Prozent zu Erhöhungen führten, 40 Prozent aber zu Preissenkungen. So ist unter anderem Butter um 2,5 Prozent billiger geworden.

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