Statistisches Bundesamt : Arbeitskosten in Deutschland steigen

Die Arbeitsstunde ist in Deutschland 34 Prozent teurer als im EU–Schnitt. Sie kostete im Schnitt 31,70 Euro.

Eine Stunde Arbeit kostete in Deutschland im vergangenen Jahr im Schnitt 31,70 Euro.
Eine Stunde Arbeit kostete in Deutschland im vergangenen Jahr im Schnitt 31,70 Euro.Foto: dpa

Mit einem Plus von 2,1 Prozent sind die Arbeitskosten in Deutschland im vergangenen Jahr erneut stärker gestiegen als im Schnitt der Europäischen Union (+1,4 Prozent). Damit setzt sich nach Angaben des Statistischen Bundesamts ein Trend fort, der bereits 2011 eingesetzt hat. Bis dahin waren die auf die Stunde gerechneten Arbeitskosten inklusive der Lohnnebenkosten in der größten europäischen Volkswirtschaft in jedem einzelnen Jahr von 2004 bis 2010 langsamer gewachsen als im europäischen Schnitt. Das ist aber vorbei: Im vergangenen Jahr kostete die Arbeitsstunde in Deutschland 31,70 Euro und war damit um 34 Prozent teurer als im EU-Durchschnitt. Allerdings war die Arbeitsstunde in sechs anderen EU-Ländern (Schweden, Belgien, Dänemark, Luxemburg, Frankreich, Niederlande) mit bis zu 44,80 Euro noch kostenintensiver. Am billigsten war die Arbeitskraft in Bulgarien (3,70 Euro pro Stunde).

Foto: Tsp

Die relative Lohnzurückhaltung in Deutschland bis 2010 hatte die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft gestärkt. Vor allem die südlichen Euro-Staaten hatten das wegen einer angeblichen Wettbewerbsverzerrung kritisiert. 2013 wurden in der deutschen Industrie mit 36,20 Euro die fünfthöchsten Arbeitskosten in Europa gezahlt. Die höheren Löhne sind durch eine höhere Produktivität möglich.

Im nun kriselnden Frankreich waren die Lohnkosten von 2004 bis 2010 fast zweieinhalb mal so stark gestiegen wie in Deutschland. In den folgenden drei Jahren hat sich der Trend gedreht. Der jährliche Anstieg in Deutschland lag mit 2,7 Prozent deutlich über den 1,9 Prozent aus dem westlichen Nachbarland.

Der statistische Vergleich weist aber auch auf das Problem der Lohnnebenkosten hin, die in Deutschland zu einem vergleichsweise geringen Aufschlag von 27 Prozent auf den Bruttolohn führen. Darin enthalten sind typischerweise die Sozialversicherungsbeiträge, Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung sowie Aufwendungen für Gehaltsfortzahlungen im Krankheitsfall. In Frankreich fallen 47 Prozent Lohnnebenkosten an, und selbst in kriselnden Staaten mit relativ geringen Stundenlöhnen wie Griechenland, Spanien oder Italien sind die Nebenkosten höher als hierzulande. dpa

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