Wirtschaft : Steigende Rohstoffpreise sorgen für Kursgewinne - Der niedrige Goldpreis wirkt sich nicht aus

Wolfgang Drechsler

Seit einigen Monaten feiern die Rohstoffpreise weltweit ein Comeback. Weil Minenfirmen noch immer das Rückgrat der südafrikanischen Wirtschaft bilden, hat die Johannesburger Börse (JSE) in den letzten Monaten kräftig zugelegt. Selbst der dümpelnde Goldpreis hat das Kursfeuerwerk am Kap nicht stoppen können: Mitte Januar kletterte der Gesamtindex erstmals über die magische Schwelle von 9000 Punkten. Triebfeder des Aufschwungs waren einmal mehr die Rohstofftitel. Damit haben die Minenwerte in den letzten zwölf Monaten im Schnitt fast 120 Prozent gewonnen. Analysten sehen ihren Aufwärtstrend als Bestätigung dafür, dass der Rohstoffboom nach einer Konsolidierung im dritten Quartal nun in seine zweite Phase tritt.

Gleichwohl prognostizieren viele Experten für die Minenwerte in diesem Jahr eine eher abgeflachte Gewinnkurve. Die meisten sind der Meinung, dass für die Rohstofffirmen zwar noch etwas Spielraum nach oben besteht, aber der Gutteil der Gewinne inzwischen eingefahren ist. Bessere Chancen werden den größeren Finanzwerten und den Schwergewichten im IT-Sektor gegeben, die 1999 weniger kräftig zulegten und deshalb nach Ansicht der Experten zurzeit günstiger als viele Minenaktien bewertet sind.

Ein Blick auf eine Reihe kapitalstarker Bergbautitel bestätigt dies: So ist zum Beispiel das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Anglo American seit Jahresbeginn von sechs auf über 19 gestiegen. Gleichzeitig sind verschiedene Firmen im High-Tech-Sektor stärker zurückgefallen. Unternehmen wie Highflyer Dimension Data, dessen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 60 auf knapp über 40 absackte, gewinnen am Kap erst langsam an Bedeutung.

Ein Hinweis für die anhaltende Dominanz des Rohstoffsektors am Kap findet sich darin, dass drei der vier größten Werte im JSE-Gesamtindex, dem Barometer der Standardwerte, noch immer Rohstoffkonzerne sind. Klar an erster Stelle rangiert das Bergbauhaus Anglo American mit einem Indexanteil von rund 15 Prozent. Abgeschlagen folgen der eng mit Anglo American verwobene Diamantenkonzern De Beers (6,8 Prozent) und das vor allem im Aluminiumsektor tätige Bergbauhaus Billiton (6,9 Prozent). Wie Anglo hat aber auch Billiton seine Hauptnotierung zuletzt wegen der leichteren Kapitalaufnahme nach London verlegt. Das einzig größere Gegengewicht zu den Rohstoffwerten bildet der Luxusgüterkonzern Richemont (sieben Prozent), dessen Hauptsitz aber auch jenseits von Südafrika liegt.

Die anhaltende Dominanz der Konglomerate am Kap ist ein Erbe der Apartheid: Kapitalexportkontrollen zwangen in den 70er und 80er Jahren viele südafrikanische Konzerne, im eigenen Land in Sektoren zu expandieren, die wenig mit ihrem eigentlichen Kerngeschäft zu tun hatten. Nach einer aktuellen Untersuchung eines Börsenanalysten kontrollieren die fünf größten Unternehmensgruppen am Kap deshalb zurzeit noch immer fast Zweidrittel der JSE.

Neben Anglo American sind dies die Versicherungen Sanlam und Old Mutual, der Finanzkonzern Standard/Liberty und die von der Rupert-Familie kontrollierte Rembrandt/Richemont-Gruppe. Allerdings bröckelt die Vormachtstellung der fünf Firmen: Kontrollierten sie zwischen 1985 und 1995 noch über 80 Prozent der Marktkapitalisierung, sind es heute nur noch knapp 63 Prozent.

Zurückgegangen ist überraschend auch der Anteil der Unternehmen am Kap, die von Schwarzen geführt werden. Erstmals seit 1996 fiel ihr Anteil und zwar von 6,8 Prozent auf 3,1 Prozent. Nach zahlreichen Bruchlandungen vieler "schwarzer" Firmen, die in Finanzkreisen auch als "black chips" firmieren, ist die anfängliche Euphorie fast gänzlich verflogen. Erst im August ging mit Sun Air auch die Fluglinie des "black empowerment" bankrott. Daneben ist mit New Africa Investment Limited (Nail) nun auch das Flaggschiff der schwarzen Wirtschaftsemanzipation in schwere See geraten.

Neben den gestiegenen Rohstoffpreisen liegt der Hauptgrund für den jüngsten Boom in den verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Kap-Republik und der soliden Fiskalpolitik des regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC). Viele Fondsmanager erwarten darum bis auf weiteres eine gute Börse.

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