Wirtschaft : Steilvorlage

Roman Niewodniczanski ist jung. Und produziert Wein nach alter Tradition. Sein Ziel: die Weltklasse

Alexander Wragge

Der größte Stress in Wiltingen an der Saar ist gerade vorbei, die letzten Trauben sind gepflückt. Seit Jahrhunderten lebt der kleine Ort an der Grenze zu Frankreich vom Weinbau. Doch nicht alle halten es hier so mit der Tradition wie das Weingut Van Volxem: In diesem Jahr haben mehr als 50 Erntehelfer die Trauben von Hand verlesen – und das liegt nicht nur daran, dass die Hänge an der Saar für Maschinen zu steil sind.

Der Name des ehemaligen Klosterguts steht für die Wiederbelebung alter Herstellungsverfahren. Van-Volxem-Winzer Roman Niewodniczanski hat sich das ehrgeizige Ziel gesteckt, den deutschen Riesling mit traditionellen Methoden zurück an die Weltspitze zu führen.

Davon war der einmal viel gerühmte Tropfen lange weit entfernt. Als der damals 32-jährige Niewodniczanski im Jahr 2000 das heruntergekommene Weingut Van Volxem übernahm, hatte die Region Jahrzehnte der Krise hinter sich. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Auslandsabsatz des Rieslings abrupt eingebrochen, und die Preise waren gefallen. Was seit den 70er Jahren folgte, nennt Niewodniczanski das „finstere Zeitalter des deutschen Weinbaus“. Er meint damit die Fixierung der Winzer auf höchstmögliche Ernteerträge und die Praxis, Aromen mit Zusatzstoffen zu erzeugen.

Davon will er weg. Und ist schon ein gutes Stück vorangekommen. „Der Geschmack unserer Weine entsteht auf dem Weinberg und nicht im Keller“, sagt der studierte Wirtschaftsgeograf Niewodniczanski. Das bedeutet auch: „Wir fügen keine Enzyme, keine Schönungsmittel und keinen Zucker hinzu.“ Ziel ist ein Wein, der die Bodenlage des Gutes „reflektiert“, wie der Winzer es ausdrückt. Der Geschmack des Rieslings soll unverfälscht wiedergeben, welche Nährstoffe die Wurzeln des Weinstocks das Jahr über aus dem Boden gesaugt, wie viele Sonnen- und Regentage die Reben erlebt haben.

Niewodniczanski, dessen Vater Geschäftsführer des Braukonzerns Bitburger war, begann seine Entwicklung zum Winzer mit Reisen nach Frankreich, Kalifornien und Chile. Bekannte Weinbauern erinnerten den studierten Wirtschaftsgeografen immer wieder an den hervorragenden internationalen Ruf, den deutsche Spitzenweine noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts genossen hatten. „Wenn Sie vor dem Krieg im Hotel Adlon die Weinkarte öffneten, stand das Wort ,Mosel’ stellvertretend für eine von vier großen Geschmackskategorien, nämlich für einen besonders fruchtigen Weißwein“, erzählt Niewodniczanski.

Damit in seinen Holzfässern ein Spitzenwein heranreift, kultiviert der Winzer intensiv sein 33 Hektar großes Stück Land zwischen Saar und Mosel. Auf Insektizide und synthetische Düngung verzichtet er dabei.

Die Rückbesinnung auf das Altbewährte hat Erfolg. Mit 200 000 Litern Wein gehört Van Volxem inzwischen zu den größeren Anbietern der Region. Im Verkauf ab Gut sind nach zwei Wochen alle Flaschen weg, sagt der Winzer – obwohl seine Weine zwischen neun und 32 Euro pro Flasche kosten. Niewodniczanski findet immer mehr Gleichgesinnte. Doch nicht nur Winzer, auch Konsumenten gehen den arbeits- und kostenintensiven Weg mit. „In den letzten Jahren gibt es immer mehr Kunden, die bereit sind, hohe Preise zu zahlen“, sagt Niewodniczanski.Alexander Wragge

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