Stellenabbau : BMW beschert 8000 Mitarbeitern den Jobverlust

Böse Überraschung vor Weihnachten: Angesichts rückläufiger Profitabilität will BMW 8000 Arbeitsplätze abbauen. Der größte Teil davon wird in Deutschland eingespart. Treffen wird es vor allem Leiharbeiter, aber auch die Stammkräfte.

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BMW plant einen massiven Stellenabbau, um die Margen zu steigern. -Foto: ddp

MünchenJahrelang hatte der weiß-blaue Autobauer stolz auf sein flexibles, "atmendes" Produktionssystem verwiesen. Während die Konkurrenz weltweit teils drastische Stellenstreichungen verkündete, hielt BMW die Zahl der Beschäftigten stabil und baute zeitweise vor allem im neuen Leipziger Werk sogar massiv Stellen auf. So kam es denn in der Branche trotz des angekündigten Sparprogramms für viele überraschend, als der Autobauer heute den Abbau von tausenden Stellen in Deutschland ankündigte. "Offenbar hat man in den vergangenen Jahren, als es erfolgreich lief, Speck angesetzt", sagte Ferdinand Dudenhöffer, Automobilwirtschafts-Professor an der FH Gelsenkirchen.

Noch Anfang Oktober hatte Konzernchef Norbert Reithofer im Gespräch mit dem "Handelsblatt" betont: "Die Arbeitsplätze in Deutschland sind trotz Effizienzprogramm auch in den nächsten Jahren sicher. Unsere Fabriken sind zu 100 Prozent ausgelastet und arbeiten wie ein Uhrwerk." Nun sollen im kommenden Jahr in eben diesen Fertigungsstätten zahlreiche Arbeitsplätze gestrichen werden, in Branchenkreisen ist von insgesamt bis zu 8000 Jobs die Rede. BMW betonte, dass in erster Linie Leiharbeiter betroffen seien. Daher sei der verkündete Schritt auch durchaus als Teil des "atmenden" Produktionssystems zu verstehen. Allerdings wird es auch in der Stammbelegschaft Kürzungen geben.

IG-Metall von Stellenstreichungen nicht überrascht

Eine der Ursachen: Die Produktivität soll um zehn Prozent pro Jahr wachsen. Wenn da der Absatz nicht ganz mithalten kann, entstehen Überkapazitäten. Die Arbeitnehmervertreter zeigten denn auch ein gewisses Verständnis. Man wisse schon länger, dass mit dem neuen Sparprogramm auch ein Stellenabbau verbunden sei, sagte Bayerns IG-Metall-Chef und BMW-Aufsichtsrat Werner Neugebauer. Allerdings hatte er noch im September hervorgehoben, dass sich BMW wohltuend von anderen Arbeitgebern in der Branche abhebe. "In vielen anderen Unternehmen beginnt so ein Effizienz-Programm, indem erstmal 8000 Arbeitsplätze gestrichen werden", sagte Neugebauer.

Branchenexperte Dudenhöffer fühlt sich durch Reithofers drastischen Schritt denn auch an einen anderen Chef erinnert: "Das erinnert stark an Daimler-Chef Dieter Zetsche." Dieser baute in der Mercedes Car Group 9300 Stellen ab. Inzwischen liegt der Stuttgarter Erzrivale in Sachen Rendite wieder deutlich vor BMW.

Schwacher Dollar drückt auf die Rentabilität

Den Münchnern macht vor allem der schwache US-Dollar zu schaffen. Die Vereinigten Staaten sind der wichtigste Absatzmarkt von BMW. Etwa jedes fünfte Fahrzeug des Konzerns rollt auf den US-Markt. Durch den Höhenflug des Euro wird das Geschäft zunehmend unrentabler. Da der Großteil der Produktion in Deutschland erfolgt, bekommt BMW die Folgen des schwachen Dollar besonders stark zu spüren. Zwar sollen die Belastungen in diesem Jahr unter dem Vorjahresniveau von 666 Millionen Euro liegen, dürften aber immer noch erheblich sein. Um unabhängiger von Währungsschwankungen zu werden, will BMW-Chef Norbert Reithofer die Produktion und den Einkauf im Dollarraum gezielt ausbauen.

"Reithofer bleibt im Endeffekt nichts anderes übrig", sagt Analyst Tim Schuldt von equinet. Der Ausbau der Produktion im Ausland sei beim aktuellen Kurs des US-Dollars zwingend. "Beim gegenwärtigen Niveau glaube ich nicht, dass es sonderlich profitabel ist, Autos in Deutschland zu bauen und in den USA zu verkaufen. Die einzige Möglichkeit ist, vor Ort herzustellen. Dazu gibt es überhaupt keine Alternative." Angesichts der ehrgeizigen Wachstumsziele von BMW glaubt Schuldt zunächst nicht an weitere Einschnitte. "Die Werke bei BMW sind fast voll ausgelastet. Viel weiter runter können die nicht, schließlich wollen sie ja auch noch in Deutschland und Europa wachsen." Die jetzt angekündigten Streichungen dürften schrittweise erfolgen, um die Ausfälle durch höhere Produktivität ausgleichen zu können. "Das kann sich über das ganze nächste Jahr hinweg hinziehen." (mac/ae/dpa)

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