Stellenabbau : Gewerkschaft kündigt Vereinbarung mit Berliner Pharmafirma

"Nun ist Schluss mit den Zugeständnissen der Belegschaft", so die Gewerkschaft des Augentropfen- und Kontaktlinsenherstellers Dr. Mann Pharma aus Berlin-Spandau. Der Konflikt mit der neuen Geschäftsführung spitzt sich zu.

BerlinBeim Augentropfen- und Kontaktlinsenhersteller Dr. Mann Pharma aus Berlin-Spandau spitzt sich der Konflikt zwischen Arbeitnehmern und der neuen Geschäftsführung zu. Die Gewerkschaft IG BCE hat jetzt eine vor viereinhalb Jahren ausgehandelte Standortvereinbarung gekündigt. Die sah die Aufstockung der Belegschaft und den Ausbau des Standortes vor. Im Gegenzug erklärten sich die 670 Mitarbeiter bereit, 40 Stunden statt 37,5 pro Woche zu arbeiten – ohne mehr Geld zu bekommen.

Diese Vereinbarung habe erfolgreich funktioniert, sagte Sabine Süpke, Bezirksleiterin bei der Gewerkschaft IG BCE am Dienstag dem Tagesspiegel. „Der aktuell erfolgte Stellenabbau durch die neue Geschäftsführung aber ist ein Vertragsbruch und deshalb ist nun Schluss mit den Zugeständnissen der Belegschaft.“ Die Mitarbeiter würden vom 1. September an wieder nur 37,5 Stunden arbeiten.

Straffes Sparprogramm der neuen Geschäftsführung

Dr. Mann Pharma produziert unter anderem Kontaktlinsenpflegemittel und die Medikamente, Tropfen und Sprays der Marken Vivimed und Vividrin und machte 2008 damit nach inoffiziellen Angaben aus Unternehmenskreisen 280 Millionen Euro Umsatz und 50 Millionen Euro Gewinn.

Gewerkschaft und die alte Geschäftsführung hatten die Standortvereinbarung Ende 2004 ausgehandelt und Mitte 2007 bis Ende 2010 verlängert. Damals hieß es, die Muttergesellschaft, der New Yorker Konzern Bausch & Lomb, wollte den Standort Berlin zur Europa-Zentrale ausbauen. Dr. Mann Pharma erhielt vom Senat 3,2 Millionen Euro Fördermittel. Wenig später aber übernahm der US-Finanzinvestor Warburg Pincus die Muttergesellschaft. Er setzte ein straffes Sparprogramm durch. In Berlin wurden Stellen aus den Abteilungen Marketing und Vertrieb abgebaut. Das Europageschäft wird in Zug in der Schweiz gesteuert. Ein erst im Juni ausgehandelter Sozialplan regelt den Abgang von 53 Berliner Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Zugleich haben wir seit Jahresbeginn 40 Stellen geschaffen“, entgegnete die Geschäftsführerin in spe, Gaëlle Waltinger, am Donnerstag. Gerüchte über einen Verkauf des Standorts oder gar eine Zerschlagung wies sie zurück. „Der Investor hat langfristige Interessen. Wir wollen weiter wachsen – auch in Berlin“, sagte sie. (kph)

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