Stellenabbau : Opel: Aus für Antwerpen – Bochum bleibt

General Motors schließt das belgische Opel-Werk mit 2600 Beschäftigten – und riskiert einen Bruch mit der Belegschaft.

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Tränen in Belgien. Die Belegschaft des Opel-Werks trifft die Nachricht vom Ende hart. -Foto: Reuters

Berlin - Die Telefonkonferenz mit Opel- Chef Nick Reilly begann in babylonischer Sprachverwirrung. Teilnehmer aus aller Welt versuchten am Donnerstag gleichzeitig eine Verbindung ins Brüsseler Pressezentrum herzustellen. Eine technische Panne. Doch irgendwann drang Reillys Botschaft durch – und es war eine Hiobsbotschaft für 2600 Opel- Beschäftigte in Belgien: General Motors schließt das Werk in Antwerpen.

Schon „Mitte des Jahres“ solle die Produktion beendet und die Autofabrik möglichst verkauft werden, sagte Reilly. „Wir sind uns der Tragweite bewusst, die diese Ankündigung für die Beschäftigten in Antwerpen und ihre Familien hat und fühlen mit ihnen“, fügte er schriftlich hinzu. Die belgischen Mitarbeiter hatten sich zu einer Betriebsversammlung zusammengefunden.

Obwohl über die Schließung von Antwerpen schon länger spekuliert worden war, versetzte die Nachricht die Arbeitnehmervertreter in Alarmbereitschaft. „Keinen Cent“ werde die Belegschaft für die Schließung leisten, kündigte das Europäische Arbeitnehmerforum in einer Erklärung an. Das Opel-Management riskiert somit einen offenen Bruch mit den Belegschaften anderer Standorte. „Wir sind solidarisch mit unseren Kolleginnen und Kollegen in Antwerpen“, teilte das Arbeitnehmerforum mit. Die GM-Entscheidung sei einseitig und wirtschaftlich unsinnig. GM breche im Übrigen den Vertrag mit dem europäischen Betriebsrat über die Produktion eines neuen kleinen SUV, der bisher nicht in der Produktpalette von Opel sei. „Dieses Fahrzeug soll jetzt wie der Antara aus Südkorea nach Europa geliefert werden.“

Die Werkschließung nimmt zugleich den Druck von anderen Opel-Standorten in Europa. Denn weitere Schließungen soll es nach den Worten von Reilly nicht geben. Vor allem in Bochum, wo wie in Antwerpen der Astra produziert wird, ist man erleichtert. „Wir sind froh, dass der Standort Bochum gesichert bleibt“, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), der im Mai eine Landtagswahl zu bestehen hat. Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel glaubt indes nicht, dass der Standort von der Schließung profitiert. „Profitieren wird kein einziges Werk. Im Gegenteil: Das ist eine Niederlage für uns alle“, sagte er. An den vier deutschen Opel- Standorten Rüsselsheim, Bochum, Eisenach, Kaiserslautern sollen insgesamt 4000 (von knapp 25 000) Stellen abgebaut werden, in ganz Europa rund 8300 (von rund 50 000), bekräftigte Reilly.

Der Opel-Chef begründete die harte Entscheidung mit den Überkapazitäten von 20 Prozent, die Opel und die britische Tochter Vauxhall in Europa abbauen müssten. So werde der Opel Astra an mehreren Standorten produziert. Eine Konzentration in Antwerpen sei aber zu teuer gewesen. Auch die Alternativen zu einer kompletten Schließung des Werkes habe Opel geprüft, aber verworfen. „Es liegt nicht an der Performance der Mitarbeiter“, fügte Reilly hinzu. „Das ist eine sehr verantwortungsvolle Gruppe von Leuten.“ In Kürze werde man Gespräche mit Arbeitnehmervertretern und der flämischen Regionalregierung über einen sozialverträglichen Arbeitsplatzabbau aufnehmen. Wünschenswert sei auch ein Verkauf der Fabrik an einen Autohersteller oder Zulieferer. „Wir müssen die Realität akzeptieren“, sagte Reilly. „Wir verlieren Geld in Europa.“ Es sei im Interesse der verbleibenden Opel-Mitarbeiter und der Kunden, wenn die Sanierung nun in Angriff genommen werde.

GM hatte Opel bereits im November 600 Millionen Euro überwiesen, damit das Unternehmen seine restlichen Schulden beim deutschen Staat zurückzahlen konnte. Die Bundesregierung hatte einen Überbrückungskredit in Höhe von 1,5 Milliarden Euro gewährt. Früheren Angaben zufolge kostet die Sanierung 3,3 Milliarden Euro. Regierungen, in deren Ländern Opel Werke hat, sollen rund 2,7 Milliarden Euro aufbringen. Auch die flämische Regierung hatte GM bis zu 500 Millionen Euro Unterstützung für den Erhalt des Antwerpener Werkes angeboten.

Nach Einschätzung des Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer riskiert GM mit einer harten Sanierung, die Sympathie der Kunden für die Marke Opel zu verspielen. Mit der Schließung des Werks stelle sich GM in die „Cowboy-Ecke“, sagte der Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Uni Duisburg-Essen.

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