Stellenabbau : Versicherungsfusion kostet bis zu 500 Jobs

Deutschlands drittgrößter Erstversicherer AMB Generali legt seine Töchter Volksfürsorge und Generali zusammen - und streicht hunderte Arbeitsplätze. Die Gewerkschaft Verdi will massiv dagegen angehen.

München/HamburgDie Fusion werde voraussichtlich rund 400 bis 500 Arbeitsplätze kosten, kündigte AMB-Generali-Vorstandssprecher Dietmar Meister, an. Ziel sei die Stärkung der Ertragskraft und der Abbau komplexer Strukturen. Volksfürsorge in Hamburg und Generali in München haben bisher zusammen rund 3500 festangestellte Beschäftigte. Die zusammengelegte neue Sach- und Lebensversicherung unter dem Namen Generali wird ihren Sitz in München haben. Bis 2009 soll die Verschmelzung der Gesellschaften abgeschlossen sein.

Der Stellenabbau solle bis 2010 umgesetzt werden, sagte Meister. Auf betriebsbedingte Kündigungen wolle man dabei möglichst verzichten. "Ich kann das aber zum heutigen Zeitpunkt nur als Ziel formulieren." Die Vertriebe sollten nicht fusioniert und auch die Standorte erhalten werden, den Stellenabbau wolle man dabei auf Hamburg und München verteilen. "Es geht nicht darum, den Standort Hamburg überproportional zu belasten", sagte Meister. Künftig werde die Lebensversicherung in Hamburg und das Schaden- und Unfallgeschäft in München konzentriert sein. "Wir glauben, dass wir mit diesem Modell zu große Härten vermeiden können. Eine harte Fusion sieht anders aus", sagte Meister.

Demonstrationen gegen den Stellenabbau

Die Beschäftigten sollten am Vormittag über die Pläne informiert werden. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte die Maßnahmen und kündigte ihren Widerstand an. "Eine Fusion ist völlig überflüssig", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Uwe Foullong dem Tagesspiegel. Die Volksfürsorge sei gesund, erwirtschafte Gewinne und sei nach der Allianz die zweitbekannteste Versicherung in Deutschland. "Wir werden uns gegen die Zusammenlegung wehren", bekräftigte Foullong. Mitarbeiter der Volksfürsorge wollten gegen die Pläne demonstrieren. Nach einer Betriebsversammlung am Mittag wollten sie von der Hauptverwaltung in die Hamburger Innenstadt ziehen und sich dort zu einer Kundgebung versammeln. Die Gewerkschaft rechnete mit mehr als 1000 Teilnehmern.

Meister begründete die Maßnahmen mit dem zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb in der Branche und einer nach wie vor "unbefriedigenden" Kostensituation im Unternehmen. "Wir leisten uns nach wie vor Mehrfachinvestitionen in zu viele Marken." Weil die fusionierten Versicherungen künftig unter der Marke Generali geführt werden sollen, wird in der Branche mit dem Verschwinden der Traditionsmarke Volksfürsorge gerechnet. Dies wies Meister aber zurück. "Mindestens mittelfristig" solle die Marke für den Vertrieb weiter genutzt werden, erklärte er.

Zuvor bereits Jobs gestrichen

Von dem Zusammenschluss, durch den ein Versicherungsunternehmen mit insgesamt mehr als fünf Milliarden Euro Beitragseinnahmen entsteht, verspricht sich der Konzern jährliche Kosteneinsparungen von rund 100 Millionen Euro. Das fusionierte Unternehmen stehe künftig in Deutschland auf Platz vier in der Lebensversicherung und Platz sechs in der Schaden- und Unfallversicherung, hieß es. Den Überschuss, der in diesem Jahr 400 Millionen Euro erreichen soll, will der Konzern 2008 auf 450 Millionen Euro steigern. 2009 und 2010 seien dann jeweils 500 Millionen beziehungsweise 550 Millionen Euro Gewinn geplant.

AMB Generali gehört zum italienischen Generali-Konzern. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen den Abbau von rund 1500 Stellen angekündigt, davon waren im März noch rund 1000 übrig. Die Streichung der bis zu 500 Stellen durch die Zusammenlegung der Töchter soll nun hinzukommen. Insgesamt arbeiteten im vergangenen Jahr bei AMB Generali in Deutschland rund 17.600 Menschen als Festangestellte im Innen- und Außendienst, das waren 5,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Zur AMB Generali gehören unter anderem auch die Aachen-Münchener, die Central Krankenversicherung, Advocard und Cosmos-Direkt. (Tsp/dpa)

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