Wirtschaft : Stellenabbau vor allem durch Pannenserie gebremst

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Die Pannenserie der jüngsten Zeit bei der Deutschen Bahn zeigt nun auch beim Stellenabbau Folgen: In diesem Jahr werden bei dem Schienenunternehmen voraussichtlich weniger als 14 000 Stellen wegfallen, sagte Konzern-Personalvorstand Horst Föhr bei der Vorlage des Personal- und Sozialberichtes am Donnerstag in Berlin. Das ist deutlich weniger als in den vergangenen Jahren und auch weniger als zunächst geplant - Anfang des Jahres war noch von 18 000 Stellen die Rede gewesen. Die Kosten will die Bahn nun an anderer Stelle einsparen: durch eine stärker leistungsbezogene Entlohnung und einen flexibleren Einsatz der Mitarbeiter.

Gut 120 000 Arbeitsplätze hat das Schienenunternehmen seit 1994 gestrichen. Ende 1998 zählte es noch 252 000 Mitarbeiter, derzeit rund 245 000. Föhr machte keinen Hehl daraus, dass das Management nicht ganz freiwillig von weiteren Stellenabbauplänen abgerückt ist. Die im Gefolge der Pannen notwendigen Anstrengungen in den Wartungs- und Servicebereichen ließen keine andere Wahl.

Den von den Gewerkschaften geforderten "Rationalisierungsstopp" erteilte der Personalchef gleichwohl eine Absage: "Wir sind noch lange nicht über dem Berg", sagte Föhr. Trotz der Produktivitätsfortschritte - der Anteil des Personalaufwandes am Umsatz sank von 61 auf 49 Prozent - sei die Bahn noch "kein voll wettbewerbsfähiges Unternehmen, das ohne staatliche Leistungen auskommt", sagte Föhr. Konkret: Ohne den Bundeszuschuss für die Restrukturierung der ehemaligen Reichsbahn schriebe der Konzern rote Zahlen. Der Zuschuss läuft Ende 2002 aus. Um langfristig Gewinn zu erzielen, seien noch "schmerzhafte Anpassungen" nötig, so Föhr.

Nachdrücklich betonte er, dass der Stellenabbau in diesem Jahr "nicht zu Lasten der Sicherheit" gehe. Vielmehr sei er eine Folge der Modernisierung. Durch die Einrichtung eines elektronischen Stellwerkes beispielsweise fielen 100 Arbeitsplätze weg. Auch bei den "kundennahen" Bereichen werde die Bahn nicht sparen - hier seien in den vergangenen Jahren sogar 2100 Arbeitsplätze geschaffen worden. Auf dem Weg von einem technik- zu einem dienstleistungsorientierten Unternehmen sei die Bahn schon vorangekommen, sagte Föhr. 60 Prozent der Beschäftigten seien inzwischen in kundennahen Bereichen tätig. Die Schwachstellen bei Service und Auskunft, die die Stiftung Warentest vor kurzem bemängelte, seien nicht auf fehlendes Personal zurückzuführen, sondern auf das "komplizierte Preissystem und Mängel bei der Schulung". An Verbesserungen werde gearbeitet.

Ansetzen will Föhr nun vor allem im Tarifbereich. Den Beschäftigten will er mehr Flexibilität und Mobilität abverlangen, die organisatorischen Abläufe verbessern. In einigen Berufsgruppen, etwa bei Rangierern und Triebfahrzeugführern, sei die Produktivität zu gering, die Leerlaufzeiten zu hoch. Mancher Cargo-Triebfahrzeugführer erreiche gerade die Fahrleistung eines "privaten Pkw-Fahrers in der Freizeit". Föhr denkt deshalb an "multifunktionale Tätigkeiten" - hier seien die privaten Wettbewerber der Bahn schon um einiges voraus. Auch der Teilzeitanteil sei mit 3,3 Prozent noch zu gering.

Bei den Entgelten sollen die Wettbewerber Maßstab werden. Statt des Konzerntarifvertrages strebt Föhr "branchenbezogene" Tarifverträge für die einzelnen DB-Gesellschaften an. Zulagen will er in "leistungsbezogene Prämien" umwandeln, Führungskräfte sollen durch die Bildung "kleiner, ergebnisverantwortlicher Einheiten" stärker in die Verantwortung gezogen werden. Föhr stehen da noch schwierige Verhandlungen mit den Gewerkschaften bevor. Niedrigeren Einkommen werde man nicht zustimmen, sagte GdED-Sprecher Hubert Kummer dem Tagesspiegel. "Unser Ziel sind höhere Einkommen für die Eisenbahner."

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