Stellenstreichung : Bayer-Belegschaft in Berlin ist empört

Am Donnerstagabend verkündete Bayer konzernweite Stellenstreichungen – auch in Berlin. 4500 Stellen will Bayer weltweit streichen, davon 1700 in Deutschland.

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Neuordnung.Foto: dpa

Berlin - Es ist der zweite Schock innerhalb kürzester Zeit für die Berliner Belegschaft von Bayer: Vergangene Woche entschied der neue Vorstandschef Marijn Dekkers, das Pharmageschäft umzubenennen und den Traditionsnamen Schering zu tilgen. Am Donnerstagabend verkündete Dekkers dann konzernweite Stellenstreichungen – auch in Berlin. 4500 Stellen will Bayer weltweit streichen, davon 1700 in Deutschland. Im Gegenzug sollen 2500 Stellen vor allem in Schwellenländern neu aufgebaut werden. In der Gesundheitssparte (Health Care), die größtenteils vom Pharmageschäft bestimmt wird, sollen hierzulande 700 Stellen wegfallen. Wie viele Mitarbeiter in Berlin gehen müssen, wollte Bayer noch nicht mitteilen.

Die Mitarbeiter der ehemaligen Bayer Schering Pharma sind entsetzt: „Die Stimmung in der Belegschaft ist aufgeheizt, die Leute sind sehr wütend“, sagte der Betriebsratsvorsitzende des Berliner Standortes, Yüksel Karaaslan auf Anfrage. Die Kollegen hätten von den Streichungen aus der Zeitung erfahren. Der Betriebsrat prüft nun die Notwendigkeit des Stellenabbaus. Karaaslan hatte die Pläne zum Arbeitsplatz- und Personalabbau als „völlig überzogen und kurzsichtig“ zurückgewiesen. Zwar habe der Konzern versichert, dass der Standort Berlin nicht bedroht sei. „Aber das Vertrauen in die Konzernspitze ist auf dem Nullpunkt angekommen.“

Betriebsbedingte Kündigungen, hatte Bayer wissen lassen, werde es bis Ende 2012 nicht geben. So lange läuft noch eine Beschäftigungssicherungsvereinbarung im Konzern. Der Stellenabbau soll über natürliche Fluktuation oder über Aufhebungsverträge umgesetzt werden. Zum Beispiel würden Stellen von Mitarbeitern, die in den Ruhestand gehen, nicht neu besetzt oder Abfindungen gezahlt. Die Umstrukturierung lässt sich der Konzern bis Ende 2012 etwa eine Milliarde Euro kosten. Einem Sprecher zufolge entfallen davon auf das laufende vierte Quartal rund 200 Millionen Euro.

Am kommenden Mittwoch will Bayer in allen Standorten Betriebsversammlungen abhalten und der Belegschaft das Sparpaket erklären. Konzernchef Dekkers hatte seinen Schritt mit einem hohen Investitionsbedarf und zugleich steigendem Umsatz- und Ergebnisdruck begründet. Der Wettbewerb durch Nachahmerprodukte und Gesundheitsreformen in vielen Ländern machten die Einsparungen nötig, teilte Bayer mit. Der Konzern will ab 2013 jährlich 800 Millionen Euro einsparen. Rund die Hälfte davon soll reinvestiert werden – in neue Pharma-Produkte, in den Bereich Bio-Science und in den Ausbau in Asien. Dazu gehören auch Investitionen in Xarelto – von dem Mittel zur Schlaganfallprävention erhofft sich Bayer Umsätze von mehr als zwei Milliarden Euro im Jahr.

Die Börse honorierte den neuen Kurs: Die Bayer-Aktie legte am Freitag 2,2 Prozent zu und gehörte damit zu den größten Gewinnern im Leitindex Dax. „Dies ist ein wichtiger Schritt für Bayer, um sich auf die wichtigsten Wachstumssegmente zu konzentrieren und die Produktentwicklung zu beschleunigen“, urteilte LBBW-Analyst Karl-Heinz Scheunemann. „Die Nachricht, die aus unserer Sicht zählt, heißt Abbau in den entwickelten Märkten und Fokussierung auf die Schwellenländer“, schrieb Martin Possienke vom Brokerhaus Equinet. Die angekündigten 2500 neuen Arbeitsplätze sollen vor allem in Asien entstehen. Jahel Mielke

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