Steueraffäre : Weiter stiften in Liechtenstein

Rund 100 Personen sind den Steuerfahndern bei Razzien in den vergangenen Wochen ins Netz gegangen. Das Stiftungssystem in Liechtenstein wurde kontrovers diskutiert. Das stört das Fürstentum nicht - die Privatstiftungen bleiben und werden vielleicht noch ausgebaut.

München/VaduzUngeachtet der Steueraffäre in  Deutschland will das Fürstentum Liechtenstein auch in Zukunft an seinen umstrittenen Privatstiftungen uneingeschränkt festhalten. Das geht nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" aus einer Vorlage der Regierung des Fürstentums für die Sitzung des Landesparlamentes in Vaduz hervor. Laut dem bislang unveröffentlichten Regierungspapier seien die Privatstiftungen "ein weltweit gesuchtes Instrument der Nachfolgeplanung", das als "Herzstück des Finanzplatzes Liechtenstein" tendenziell sogar eher ausgebaut werden solle.

"Weltweit bedeutender Stiftungsstandort"

 
Dank seines Treuhandwesens habe sich Liechtenstein "zu einem weltweit bedeutenden Stiftungsstandort entwickelt", dem jetzt aber "eine nachhaltige Wachstumsperspektive" fehle, heißt es demnach in dem Papier weiter. Generell sei "ein hohes Maß an Privatsphäre" bei Bankgeschäften ein wesentliches Argument Liechtensteins, um sich unter den europäischen Finanzzentren zu behaupten, schreibt die Regierung. Kritiker sehen in den weitgehend anonymen Liechtensteiner Privatstiftungen hingegen ein Konstrukt, um ausländischen Steuerhinterziehern zu helfen, ihr Schwarzgeld vor dem Fiskus zu verstecken.

Das 20-seitige Regierungspapier sei die Reaktion der Regierung auf "Futuro", ein grundsätzliches Konzept für die weitere Entwicklung des Finanzplatzes Liechtenstein, das der Landtag in Vaduz beraten werde, schreibt die Zeitung. Von Rechtshilfe sei in dem Regierungspapier konkret nicht die Rede. Nur sehr allgemein heiße es, man könne sich generell den Ansprüchen von EU, USA oder OECD "im Rahmen internationaler Regulierungen" nicht verweigern, weil sonst "einseitige Reaktionen drohen." (tbe/AFP)

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