Wirtschaft : Steuerbelastung: Steuerzahler arbeiten erst nach 202 Tagen für die eigene Tasche

Genau 202 Tage hat es in diesem Jahr gedauert, bis die Beschäftigten in Deutschland rein rechnerisch für das eigene Portemonnaie zu arbeiten beginnen. Wie der Bund der Steuerzahler (BdSt) zum "Steuerzahlergedenktag" am Donnerstag mitteilte, haben die Bundesbürger bis zum 20. Juli diesen Jahres nicht für ihren Geldbeutel, sondern für die öffentliche Hand gearbeitet. BdSt-Präsident Karl Heinz Däke zog zum Gedenktag mit einem großen Beutel vor den Reichstag in Berlin, um auf die Steuer- und Sozialabgabenlast der Bundesbürger aufmerksam zu machen.

Der Steuerzahlerbund berichtete, dass die Einkommensbelastungsquote im Jahre 1960 noch bei 41,5 Prozent gelegen habe, bis zum Jahr 1990 auf 50,7 Prozent gestiegen und im Jahr 2000 bei 55,4 Prozent angekommen sei. Das sei "ein neuer, trauriger Spitzenwert", sagte Däke. Dieser Spitzenwert zeige, wie dramatisch sich die Abgabenbelastung in den vergangenen 40 Jahren entwickelt habe, sagte Däke. "Die Tatsache, dass in Deutschland weit mehr als die Hälfte der erzielten Einkommen in staatliche Kassen fließen, stellt einen rigorosen Belastungszugriff dar, der eine schwere Hypothek für das Wachstum der Wirtschaft und die Schaffung von Arbeitsplätzen ist."

Die Steuerreform, die in der vergangenen Woche den Bundesrat passierte, könne nur ein erster Schritt in Richtung Abgabenentlastung sein. Zwar würden die Sätze der Einkommens- und Körperschaftssteuer gesenkt. Allerdings sollte laut Däke nicht verschwiegen werden, dass die entscheidenden Entlastungen im Tarifverlauf erst im Jahre 2005 einsetzten. Das sei angesichts der bestehenden Steuer- und Abgabenbelastung aber zu spät.

Dass diese letzte Stufe der Steuerreform auch vorgezogen werden könne, zeigten nicht zuletzt die Zahlen der Steuerschätzer. Sie hätten errechnet, dass die Steuerzahler im Jahr 2003 erstmals mehr als eine Billion Mark an Steuern entrichten würden. Zudem werde den Steuerzahlern an anderer Stelle das Geld aus der Tasche gezogen. Zum 1. Januar 2001 seien weitere Steuererhöhungen beschlossen. "Die Erhöhung der Kfz-Steuer und die nächste Stufe der so genannten Ökosteuer werden dann schmerzlich zu spüren sein", sagte der Präsident des Bundes der Steuerzahler.

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