Steuerbescheid 2010 : Anleger warten schon wieder auf Post von ihrer Bank

Viele Institute haben im vergangenen Jahr die Steuerbescheinigungen verspätet herausgeschickt. Das könnte sich jetzt wiederholen.

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Wiederholt sich das Trauerspiel des vergangenen Jahres? Auch jetzt warten wieder tausende Anleger auf die Jahressteuerbescheinigungen ihrer Bank, die sie brauchen, um mit dem Fiskus abzurechnen. 2010 hatten zahlreiche Geldhäuser erst im Mai oder noch später die Aufstellungen geschickt, die auflisten, was Anleger mit ihren Finanzgeschäften verdient oder verloren haben. Viele Kunden waren sauer, weil sie Ende Mai ihre Einkommenssteuererklärungen abgeben mussten, ohne vorher die nötigen Unterlagen bekommen zu haben.

Auch jetzt sind einige Kreditinstitute wieder spät dran. Bei der Hypo-Vereinsbank ist absehbar, dass Kunden in Kollision mit der Finanzamtsfrist kommen werden. „Die HVB startet in den kommenden Tagen mit dem Versand der Jahressteuerbescheinigungen 2010“, sagte ein Sprecher am Montag. „In den kommenden drei Monaten wird der Großteil dieser Bescheinigungen versendet sein“, heißt es weiter. Dann ist es aber bereits Juni. Hoffnungslos hintendran ist die Bank bei den Anlegern, die spezielle Anlageformen gewählt haben, wie ausländische thesaurierende Fonds. Deren Bescheinigungen werden erst im Anschluss an den normalen Versand verschickt.

Auch die Commerzbank-Kunden, die am Ende der bankinternen Versandreihe stehen, brauchen Geduld. Der Versand hat bei der Commerzbank zwar schon im Februar begonnen und soll bis Ende April abgeschlossen sein. „Bis auf wenige Einzelfälle“, wie Sprecherin Claudia-Renée Booms einräumt. Die Sparer, die am Schluss bedient werden, werden sich wohl auf ein Rennen gegen die Zeit einstellen müssen.

Auch beim Branchenprimus, der Deutschen Bank, sind viele Kunden noch unversorgt. Im Februar sind die ersten Briefe herausgegangen, peu à peu folgen weitere Tranchen. Reklamieren nutzt nichts. „Das geht automatisch“, heißt es in der Filiale auf Anfrage, „wir können erst im April Ersatzbescheinigungen anfordern.“

Steuerberater Wolfgang Wawro wundert sich über die Säumnis der Banken. „In diesem Jahr gibt es keinen Grund, warum die Bescheinigungen so spät kommen“, sagte der Präsident des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg dem Tagesspiegel. Im vergangenen Jahr waren die Geldhäuser entschuldigt, weil sie erstmals die neue Abgeltungssteuer anwenden und bis zuletzt auf Ausführungsvorschriften des Bundesfinanzministeriums warten mussten. Mit ihrer Bummelei schaden die Banken vor allem denen, die Geld vom Fiskus zurückbekommen. Seit Einführung der Abgeltungssteuer ziehen die Kreditinstitute von den Kapitalerträgen eine Pauschalsteuer von 25 Prozent ab. Für die meisten Anleger ist die Sache damit erledigt. Nicht aber für diejenigen, deren persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent liegt oder die gar keine Steuern zahlen müssten, weil ihre Gesamteinnahmen unter dem steuerlichen Grundfreibetrag von 8004 Euro (2010) liegen.

Doch es geht auch anders. Das zeigen vor allem regionale Häuser: Bei der Berliner Sparkasse sind die Bescheinigungen bereits im Februar versandt worden. „Bei uns ist am Montag die letzte Tranche auf den Weg geschickt worden“, berichtet Nancy Mönch von der Berliner Volksbank.

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