Steuerbetrug : Rekordjahr bei Selbstanzeigen

Die bekannt gewordenen Steuerbetrugsfälle haben viele Leute anscheinend aufgeschreckt: Bis Ende Juni gingen beim Fiskus run 22 500 Selbstanzeigen ein.

Formular für Selbstanzeige.
Wird immer beliebter: die Selbstanzeige.Foto: dpa

Vor Inkrafttreten schärferer Regeln Anfang kommenden Jahres legen tausende Steuerbetrüger ihr ins Ausland geschleustes Geld noch schnell offen. Die Zahl strafbefreiender Selbstanzeigen hat sich im ersten Halbjahr dieses Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt, in einigen Bundesländern hat sie sich verdreifacht. Einer Umfrage zufolge meldeten sich bis Ende Juni rund 22 500 Personen beim Fiskus in der Hoffnung, noch ohne die erhöhten Zuschläge straffrei davonzukommen. Die Länderkassen verbuchten dadurch allein in den ersten sechs Monaten schätzungsweise bis zu einer halben Milliarde Euro.

Hintergrund sind vor allem die strengeren Vorgaben, die ab 2015 gelten. Hinzu kommt, dass auch Schweizer Banken ihre Praxis ändern und auf Offenlegung dringen. Daher zeichnet sich für 2014 ein Rekordjahr bei Selbstanzeigen ab. Schließlich haben die CD-Käufe und bekannt gewordene prominente Steuerbetrugsfälle viele Leute aufgeschreckt.

Für geständige Steuerbetrüger wird es ab Januar 2015 deutlich teurer, mit einer Selbstanzeige straffrei davonzukommen. Zum 1. Januar 2015 sinkt die Grenze, bis zu der Steuerhinterziehung ohne Zuschlag bei einer Selbstanzeige straffrei bleibt, von 50 000 auf 25 000 Euro. Bei höheren Beträgen wird bei gleichzeitiger Zahlung eines Zuschlages von zehn Prozent von einer Strafverfolgung abgesehen. Ab einem Hinterziehungsbetrag von 100 000 Euro werden 15 Prozent Strafzuschlag fällig, ab einer Million Euro 20 Prozent. Zudem müssen neben dem hinterzogenen Betrag in Zukunft auch die Hinterziehungszinsen in Höhe von sechs Prozent pro Jahr sofort entrichtet werden. Auch die Strafverfolgungsverjährung wird auf zehn Jahre ausgedehnt.

In Berlin gingen über 700 Selbstanzeigen ein

Die meisten Selbstanzeigen von Steuerbetrügern sind zuletzt in Baden-Württemberg eingegangen: In den ersten sechs Monaten waren es 5167 gegenüber 2363 im Vorjahreszeitraum. In Nordrhein-Westfalen erhöhte sich die Zahl von 1528 auf 4591, in Bayern gingen in den ersten sechs Monaten 3373 Selbstanzeigen ein. Die Berliner Finanzbehörden verbuchten bis zum 2. Juli 737 Selbstanzeigen; im ersten Halbjahr 2013 waren es 385. In Hamburg waren es 526 nach 204. In Schleswig-Holstein registrierte der Fiskus 377 Selbstanzeigen nach zuvor 179. In Brandenburg haben sich in den ersten sechs Monaten 142 Steuerbetrüger selbst angezeigt, 30 mehr als im gesamten Vorjahr. (dpa)

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