Wirtschaft : Steuererhöhung belastet nur wenig

Konsumforscher befürchten 2007 Kaufzurückhaltung / Händler geben Mehrwertsteuer nicht komplett an Verbraucher weiter

Y. El-Sharif[P. Lichterbeck],M. Peters

Berlin - Wenige Tage vor der Erhöhung der Mehrwertsteuer rechnet die Gesellschaft für Konsumforschung mit einer Abschwächung des privaten Konsums. „Ich schließe für das erste Quartal 2007 auch einen Rückgang nicht aus“, sagte Rolf Bürkl von der GfK dem Tagesspiegel zwei Tage vor Veröffentlichung der neuen Konsumklimastudie. Auch die Psychologie dürfte eine Rolle spielen, sagte er. „Verbraucher könnten – wie bei der Euro-Einführung 2002 – den Eindruck gewinnen, dass alles teurer wird.“ Folge könnte eine generelle Kaufzurückhaltung sein.

Das Statistische Bundesamt geht dagegen davon aus, dass nur etwa 53 Prozent aller Konsumgüter von der Erhöhung betroffen sein werden. Patrick von Braunmühl vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) schätzt zudem, dass die Preise um maximal 1,5 Prozent steigen werden. „Der Horror des Euro-Umstellungseffekts ist noch so stark in den Köpfen, dass die Händler die Preise abzufedern versuchen. Dafür nehmen sie niedrigere Gewinnmargen in Kauf“, sagte von Braunmühl. Andere wiederum hätten schon in diesem Jahr heimlich an der Preisschraube gedreht, so dass zum Jahreswechsel in manchen Fällen keine Erhöhung deutlich werde. Der Tagesspiegel hat einige Beispiele rausgesucht, wo es schon ab dem 1. Januar teurer wird und wo erst später.

WO ES SOFORT TEURER WIRD

Autos : Die erhöhte Steuer schlägt auf die Listenpreise für Autos durch. Ein neuer Mittelklassewagen, der heute 25 000 Euro kostet, wird im neuen Jahr dann um rund 650 Euro teurer. Allerdings entscheide sich der Preis, den ein Kunde tatsächlich zahle, erst beim Händler, heißt es beim ADAC. „Wenn die Händler keinen Umsatz machen, werden sie mit Rabatten locken.“

Benzin: Sprit wird laut ADAC voraussichtlich um vier bis fünf Cent teurer. Die Mineralölwirtschaft rechnet sogar mit einem Anstieg von bis zu sieben Cent je Liter, was auch daran liege, dass der Sprit von Januar an einen Mindestanteil von Bio-Treibstoffen enthalte, der voll zu versteuern sei. Die Tankstellen rechnen daher zum Jahresende noch einmal mit einem Kundenansturm.

Energie : Strom- und Gasanbieter schlagen ebenfalls sofort die vollen 19 Prozent auf. „Bei den Energieversorgern spielt es keine Rolle, dass nur einmal jährlich die Zähler abgelesen werden. Die Steuer wird auf den Rechnungen ohnehin immer gesondert ausgewiesen“, sagte Holger Krawinkel, Energieexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Möbel : Bei Einrichtungsgegenständen dürfte schon zum 1. Januar der Preis deutlich angehoben werden. Wie in fast allen Branchen versuchen die Händler aber in den nächsten Monaten mit Rabattaktionen von der Erhöhung abzulenken.

WO ES SPÄTER TEURER WIRD

Handwerk : Der Wettbewerb unter Handwerkern ist so hart, dass sich viele Betriebe womöglich nicht trauen werden, die Erhöhung auf ihre Dienste draufzuschlagen, schätzt die Handwerkskammer Berlin. Allerdings seien die Gewinne so gering, dass vermutlich nach und nach eine Anhebung stattfinden werde. Das gilt auch für andere Dienstleistungen.

Elektronik: Fachmärkte kündigten Rabattaktionen für das nächste Jahr an. „Bei besonders hart umkämpften Produkten wie LCD-Fernsehern dürften die Preise gegen Ende Januar sogar sinken“, sagte von Braunmühl vom vzbv, bevor die Preise dann später anziehen.

Versandhandel : Diverse Versandhäuser haben angekündigt, erst mit dem Erscheinen des neuen Katalogs die erhöhte Steuer von den Kunden einzufordern.

WO ES GAR NICHT TEURER WIRD

Lebensmittel : Für Grundnahrungsmittel gilt wie bisher auch der verminderte Steuersatz von sieben Prozent. Ausnahmen sind Alkohol und andere Getränke. Ein Apfel wird im Januar also genauso viel kosten wie im Dezember, während Apfelsaft teurer wird.

Lesestoff: Wie bei Lebensmitteln gilt der reduzierte Steuersatz auch bei Büchern, Zeitschriften und Zeitungen.

Gesundheit: Arzthonorare bleiben gleich hoch. Arzneimittel steigen hingegen .

Drogerieartikel: Seife, Zahnpasta & Co. wurden im laufenden Jahr schon heimlich erhöht, sagen Statistiker. 2007 sollten die Preise bei diesen Artikel also relativ stabil bleiben.

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