Steuerfreiheit : Regierung will Versicherer stützen

Steuerfreie Rückstellungen werden erleichtert – damit soll die Branche besser durch das Zinstal kommen.

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Zum Verzweifeln. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten belasten auch die Versicherungsunternehmen. Foto: ddp
Zum Verzweifeln. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten belasten auch die Versicherungsunternehmen. Foto: ddpFoto: ddp

Berlin - Japanische Verhältnisse will die Bundesregierung in Deutschland verhindern. Acht Versicherungen mussten in Japan bereits aufgeben. Sie hatten den Kunden hohe Garantien versprochen. Als die Zinsen sanken, mussten sie ihre Reserven plündern. Als auch diese Polster aufgezehrt waren, kam für die Versicherer das Ende.

So etwas soll in Deutschland nicht passieren. Deshalb will die Bundesregierung den deutschen Versicherungsgesellschaften mit neuen Steuerregeln entgegenkommen. Die – steuerfreien – Rückstellungen für die Überschussbeteiligungen der Kunden sollen künftig für fünf Jahre gebildet werden können, bislang sind es drei, heißt es im Bundesfinanzministerium. Eine entsprechende Regelung soll mit dem Jahressteuergesetz verabschiedet werden. „Wir wollen den Risiken der Niedrigzinsphase präventiv begegnen“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums dem Tagesspiegel.

Von der Lockerung würden vor allem die Lebensversicherer profitieren. Und ihre Kunden. „Damit wird es für die Unternehmen leichter, den Kunden möglichst gleichbleibende Überschussbeteiligungen zu zahlen“, sagt Una Großmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Damit die Versicherer die Rückstellungen aber nicht als Steuersparmodell missbrauchen, soll es zugleich eine Obergrenze geben. In dem Gesetzentwurf ist vorgesehen, dass das Maximum beim 1,2-Fachen der Rückstellungen aus dem Jahr 2009 liegen soll. Beim größten deutschen Lebensversicherer, der Allianz Leben, waren das seinerzeit gut 5,5 Milliarden Euro.

Mit dem Schritt reagiert die Regierung auf die wachsenden Anlageprobleme der Versicherer. Nimmt man Alt- und Neuverträge zusammen, liegt die den Kunden garantierte Vergütung derzeit bei durchschnittlich 3,4 Prozent. Mögliche Überschussbeteiligungen und Schlussgewinnzahlungen, die flexibel von Jahr zu Jahr neu festgelegt werden, kommen noch dazu. Mit festverzinslichen Wertpapieren, die den Löwenanteil der Kapitalanlage bilden, lässt sich das derzeit kaum verdienen. Zehnjährige Bundesanleihen bringen nur rund 2,3 Prozent. Viele Versicherer weichen daher auf höherverzinste Unternehmensanleihen oder Staatsanleihen aus finanziell angeschlagenen Euro-Ländern wie Griechenland, Irland oder Portugal aus. Dagegen ist die Aktienquote in der Branche noch immer ziemlich gering. Mit einem Anteil von 8,5 Prozent am gesamten Kapitalanlagebestand gehört die Allianz Leben derzeit zu den Spitzenreitern.

Das Zinstal dürfte sich langfristig auch auf die Kunden auswirken. Bei den Überschussbeteiligungen für das kommende Jahr rechnen Beobachter mit sinkenden Renditen. Dagegen dürfte der Garantiezins, der für die gesamte Laufzeit des Vertrages fest versprochen ist, 2011 wahrscheinlich unverändert bei 2,25 Prozent bleiben, heißt es im Finanzministerium. „Wir sehen derzeit keine Notwendigkeit, den Garantiezins zu senken“, heißt es dort. Allerdings behalte man die weitere Entwicklung im Blick. Sollten sich die Marktzinsen auch in Zukunft nicht erholen, dürfte der Garantiezins für neue Verträge ab 2012 sinken, glaubt Versicherungsanalyst Manfred Poweleit.

Ein Gutes hat das Zinstal für die Versicherer aber auch. Da Fest- und Termingeld derzeit kaum etwas abwerfen, entdecken die Anleger die Lebensversicherung wieder. „Uns fließt viel Geschäft zu“, sagt Allianz-Leben-Sprecher Eckhard Marten.

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