Steuern : 852 Euro für jeden Berliner

Die meisten Arbeitnehmer zahlen zu viele Steuern. Die kann man sich mit der Steuererklärung zurückholen. Vor allem wer weite Wege zur Arbeit hat, viel zu Hause arbeitet und Handwerker beschäftigt, kann auf eine hohe Rückerstattung hoffen.

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Rechnen lohnt sich. Die Frist für die Abgabe der Steuererklärung läuft: Bis zum 31. Mai müssen die Unterlagen in der Behörde angekommen sein.
Rechnen lohnt sich. Die Frist für die Abgabe der Steuererklärung läuft: Bis zum 31. Mai müssen die Unterlagen in der Behörde...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Eine hübsche Summe: 852 Euro hat jeder Berliner im Schnitt vom Finanzamt zurückbekommen, hat die Berliner Finanzverwaltung ausgerechnet. Das reicht für ein nettes Wochenende zu zweit in London, Paris oder Lissabon. Mit dem Trip könnte man sich für die Mühen der jährlichen Steuererklärung belohnen. Mühen? In diesem Jahr werden sich diese in Grenzen halten, sagen Experten. „2011 hat sich nicht viel geändert“, beruhigt Wolfgang Wawro, Präsident des Steuerberaterverbands Berlin-Brandenburg.

WERBUNGSKOSTEN

Bereits mit dem Dezember-Gehalt sind Arbeitnehmer in den Genuss der höheren Werbungskostenpauschale gekommen. Statt 920 Euro wie früher kann man für 2011 beruflich bedingte Ausgaben in Höhe von 1000 Euro geltend machen – pauschal. In vielen Fällen können Berufstätige aber noch höhere Kosten ansetzen. „Wer letztes Jahr 15 Kilometer zur Arbeit gefahren ist und 230 Tage gearbeitet hat, kann pauschal 1035 Euro Werbungskosten abrechnen“, hat die Stiftung Warentest ausgerechnet. Wer dann noch Fachliteratur gekauft hat, Büromaterial oder einen Computer, den man für die Arbeit braucht, oder einen Teil seiner Wohnung als Arbeitszimmer nutzt, ist mit den Einzelnachweisen allemal besser bedient als mit der 1000-Euro-Pauschale.

FAHRTKOSTEN

Für die einfache Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz erkennt der Fiskus pauschal 30 Cent pro Kilometer an – egal, ob man diese Strecke mit dem Auto, dem Rad, der Bahn oder zu Fuß zurücklegt, und ob das Benzin teuer oder billig ist. Wer nicht nur an einem Arbeitsplatz eingesetzt wird, sondern neben der Stammfiliale noch in verschiedenen anderen arbeitet, profitiert von der neuen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (Az: VI R 55/10, VI R 36/10 und VI R 58/09). Danach gelten die Fahrten zu den anderen Einsatzorten als Reisekosten, das heißt: Für jeden gefahrenen Kilometer – also für die Hin- und die Rückfahrt – kann man dann 30 Cent von der Steuer absetzen. Wahlweise kann man per Einzelnachweis auch die tatsächlichen Kosten abrechnen. Für die Fahrt zum Hauptarbeitsplatz bleibt es jedoch jeweils bei der Entfernungspauschale von 30 Cent.

Noch in einer anderen Frage hat der Bundesfinanzhof kürzlich Pendlern den Rücken gestärkt. Die Richter erlauben den Arbeitnehmern Umwege, wenn die längere Fahrtroute verkehrsgünstiger ist (Az: VI R 19/11 und VI R 46/10). Eigentlich sind Steuerzahler gehalten, auf dem kürzesten Weg zu ihrem Arbeitsplatz zu fahren. Eine weitere Strecke hatten die Finanzämter bislang nur akzeptiert, wenn trotz des längeren Wegs die Fahrt zur Arbeit mindestens 20 Minuten schneller war. Damit hat der Bundesfinanzhof jetzt Schluss gemacht. Nach Ansicht der Richter müssen keine konkreten zeitlichen Vorgaben erfüllt sein, damit eine Straßenverbindung „offensichtlich verkehrsgünstiger“ als die kürzeste Fahrtroute ist. Vielmehr komme es auf die Umstände des Einzelfalls, etwa die Streckenführung oder die Ampelschaltung, an. „Das kann eine längere Strecke von drei bis vier Kilometern rechtfertigen“, meint Wawro.

ARBEITSZIMMER

Bereits bei der Steuererklärung für 2010 konnten Arbeitnehmer ihr Arbeitszimmer wieder steuerlich absetzen. Möglich ist das in den Fällen, in denen der Chef seinen Mitarbeitern im Unternehmen keinen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt. Dabei gilt: Wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit bildet, kann man die Kosten komplett geltend machen. Wird nur ein Teil der Arbeit zu Hause erledigt – etwa bei Lehrern –, kann man bis zu 1250 Euro im Jahr von der Steuer absetzen.

Ein neues Urteil des Finanzgerichts Köln könnte Heimarbeitern, die zu Hause auf engem Raum leben, neue Chancen eröffnen. Das Arbeitszimmer müsse kein abgeschlossener Bereich sein, entschied das Gericht 2011 (Az: 10 K 4126/09). Auch die Arbeitsecke, in der der Schreibtisch steht, könne man in der Steuererklärung auflisten. Aber: Das Urteil ist nicht rechtskräftig, beim Bundesfinanzhof wurde Revision eingelegt.

KINDER

Spätestens mit 25 Jahren laufen Kindergeld und Kinderfreibetrag aus. Befinden sich die Kinder dann noch in der Ausbildung, können die Eltern zumindest ihren Unterhalt als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend machen.

HANDWERKER

Steuern sparen kann man auch im Haushalt. Wer Handwerker beschäftigt, kann 20 Prozent des Arbeitslohns, maximal 1200 Euro im Jahr, von der Steuerschuld abziehen. Vorsicht: Bei Barzahlung erkennt der Fiskus die Ausgaben nicht an! Wichtig: Mieter können auch die Ausgaben für den Hausmeister oder den Gärtner, die in ihrer Betriebskostenabrechnung auftauchen, absetzen.

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