Wirtschaft : Steuern sparen unter Rot-Grün

FRANK WIEBE REINER REICHEL (HB)

Die Vorschläge der neuen Regierung zur Besteuerung von Anlegern sind weitgehend identisch mit Ideen, die es auch schon in der Ära Kohl/Waigel gab.Einschneidend für relativ viele Sparer dürfte die geplante Halbierung des Freibetrages auf 3000 DM für Ledige beziehungsweise 6000 DM für Verheiratete sein.Bei einem Zinssatz von vier Prozent entspricht das einem Vermögen von 75 000 beziehungsweise 150 000 DM.Viele Anleger werden versuchen, ihr Geld nach Luxemburg zu retten.Von dort dürfte es überwiegend wieder nach Deutschland zurückfließen.Damit entsteht nicht unbedingt eine Gefährdung des Finanzplatzes, fraglich ist eher, ob für den Finanzminister viel dabei herauskommt.

Daneben ist eine Verlängerung der sogenannten Spekulationsfrist bei Wertpapieren, innerhalb derer die Steuer auch Kursgewinne erfaßt, von sechs auf zwölf Monate geplant.Wer sein Geld langfristig investiert und seine Bestände nur wenig umschlägt, dürfte damit zurechtkommen.Schwieriger wird es allerdings, größere Privatdepots professionell zu managen - sie werden, wenn die Steuer vermieden werden soll, noch schwerfälliger.Das könnte dazu führen, daß aus solchen Depots Geld in Fonds umgeleitet wird, die ohne Rücksicht auf Steuerprobleme Bestände umschichten können.Auch hier gilt aber: Der Finanzplatz dürfte keinen Schaden davon nehmen.

Die Streichliste der rot-grünen Koalition bedeutet auch kein Ende der Steuersparmodelle.Torschlußpanik ist bei den Anlegern nicht angebracht.Daß die Sonderabschreibungen nach dem Fördergebietsgesetz in diesem Jahr auslaufen und gleichzeitig die letzten Schiffe mit 125 Prozent Sonderabschreibung auf den Markt kommen, war bereits vorher bekannt.

Da Spitzenverdiener auch in den nächsten drei Jahren noch mit mehr als 50 Prozent Steuern belastet werden, bleibt es lukrativ, Steuerzahlungen durch die Beteiligung an Steuersparmodellen zu verringern.Die Begrenzung der vollen Verlustverrechnung mit anderen Einkunftsarten auf 100 000/200 000 DM für Ledige/Verheiratete trifft den Großteil der Zeichner von Steuersparfonds nicht.Ihre Zeichnungssummen übersteigen selten 100 000 DM.Betroffen sind Privatplazierungen von einer Mill.DM und mehr.

Im Unterschied zu reinen Einkommensempfängern und Freiberuflern bleiben Immobilienbesitzern und Gewerbetreibenden weitere Gestaltungsmöglichkeiten, weil Verluste, die innerhalb einer Einkunftsart entstehen, weiterhin vollständig absetzbar sind.Ein Beispiel: Der Hausbesitzer, der Gewinne aus Vermietung und Verpachtung erzielt, wählt einen Immobilienfonds oder einen Immobilien-Leasingfonds, der anfänglich Verluste in dieser Einkunftsart ausweist.Der selbständige Bäckermeister verrechnet seine positiven Einkünfte mit den gewerblichen Verlusten, die durch eine Schiffsbeteiligung oder einen - "gewerblich geprägten" Immobilien-Leasingfonds entstehen.Hier trifft der Wegfall der Tarifermäßigung nach Pargraph 34 Einkommensteuergesetz zu, wonach der Veräußerungsgewinn nur mit dem halben durchschnittlichen Steuersatz belastet wird.Darauf sind nahezu sämtliche Fonds-Initiatoren bei ihren aktuellen Angeboten mit alternativen Renditeberechnungen eingegangen.Ergebnis: deutliche Renditeeinbußen.Doch auch die lassen sich mildern, wenn der Veräußerungsgewinn - wie vorgesehen - beliebig auf fünf Jahre verteilt wird.

Am sinnvollsten ist es, die Beteiligung an einem Steuersparmodell so zu terminieren, daß zum Zeitpunkt der Zeichnung die Steuerlast hoch ist, und daß sie niedrig ist, beispielsweise durch den Eintritt in den Ruhestand, wenn die Beteiligung - steuerlich betrachtet - Gewinne abwirft.Ein Beispiel dazu: Wer im Alter von 49 Jahren einen zwölf Jahre laufenden Flugzeugfonds zeichnet, wird den Veräußerungsgewinn mit 61 Jahren erzielen und auf das Jahr vortragen, indem er 66 wird und in den Ruhestand getreten ist.

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