• Steuerreform: Deutsche Bundesbank begrüßt Senkung der Abgabenlast - Arbeitnehmer haben weniger von Lohnerhöhungen

Wirtschaft : Steuerreform: Deutsche Bundesbank begrüßt Senkung der Abgabenlast - Arbeitnehmer haben weniger von Lohnerhöhungen

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Auf Grund steigender Steuern und Sozialbeiträge haben die Arbeitnehmer in den 90er-Jahren immer weniger von ihren Lohn- und Gehaltssteigerungen profitiert. Ihre Nettoverdienste sind in der vergangenen Dekade wesentlich weniger stark gewachsen als die Arbeitnehmerentgelte. Gleichzeitig haben sich die Arbeitskosten für die Unternehmen spürbar erhöht. Dieser durch die höheren Abgaben größer gewordene "Keil" zwischen Nettoverdiensten und Arbeitskosten war nach Auffassung der Bundesbank wachstumspolitisch schädlich. In ihrem jüngsten Monatsbericht für Juli begrüßen die Bundesbanker deshalb die geplante Senkung der Abgabenbelastung.

Der "Abgabenkeil" wirkte sich laut Bundesbank deshalb negativ auf den Arbeitsmarkt aus, weil er die Differenz zwischen dem Angebots- und dem Nachfragepreis für den Faktor Arbeit im betrachteten Zeitraum deutlich wachsen ließ. 1991 flossen von dem von den Unternehmen geleisteten Arbeitnehmerentgelt in Höhe von rund 48 200 Mark noch 56,8 Prozent (27 400 Mark) den privaten Haushalten zu. 1999 blieb vom durchschnittlichen Entgelt (63 800 Mark) nach Abzug der Sozialbeiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie der Lohnsteuer für die Privathaushalte nur noch 50,9 Prozent (32 400 Mark) übrig.

Für die Arbeitnehmer haben damit die Löhne und Gehälter im Rahmen ihres verfügbaren Einkommens - dieses wiederum bestimmt weitgehend den privaten Konsum und hat so wesentlichen Einfluss auf die private Güternachfrage - an Bedeutung verloren. Die Bundesbank kritisiert zudem, dass der Steuercharakter der Sozialabgaben im Laufe der Jahre zugenommen habe.

Der zunehmende Zugriff des Staates habe auch den Verteilungsspielraum der Tarifpartner immer mehr eingeengt. Die Lohnzusatzkosten, welche die gesetzlich fixierten Sozialabgaben, die Leistungen der Arbeitgeber für die betriebliche Altersvorsorge sowie unterstellte Sozialbeiträge für Beamte umfassen, sind in der vergangenen Dekade um durchschnittlich 4,7 Prozent pro Jahr und damit weitaus stärker als die Bruttoverdienste gestiegen. Die Bundesbank führt dies vor allem auf die Anhebung der Beiträge zur Sozialversicherung zurück, die Ende 1999 mit über 41 Prozent um sechs Prozentpunkte höher waren als Anfang 1991. Die Arbeitskosten stiegen in diesem Zeitraum somit durchschnittlich pro Jahr um 3,6 Prozent. Dabei geht laut Bundesbank jahresdurchschnittlich ein Drittelprozentpunkt dieses Anstiegs auf die erhöhten Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung zurück. Ihr Anteil an den gesamten Arbeitskosten vergrößerte sich im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts von gut 18 Prozent auf fast 20 Prozent. Der Anteil der Bruttoverdienste ging von 82 Prozent auf 80 Prozent zurück.

Auch die Arbeitnehmer bekamen den verstärkten Zugriff des Staates in Form höherer Sozialabgaben zu spüren. Hinzu kam, dass die Lohnsteuerzahlungen auf Grund der progressiven Ausgestaltung des Steuertarifs überproportional in die Höhe gingen. Insgesamt blieb in den 90er-Jahren die Erhöhung der Nettoverdienste (durchschnittlich plus 2,1 Prozent pro Jahr) um mehr als einen Prozentpunkt hinter der Verbesserung der Bruttobezüge zurück.

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