Wirtschaft : Steuerreform: Gesetz macht Übernahmen billiger: "Die Zerschlagung von Firmen ist leichter geworden"

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Können die Börsianer nicht richtig rechnen? Erkennen sie den wahren Wert des Unternehmens denn überhaupt nicht? Einige Vorstände stellen sich diese Fragen immer wieder, sobald sie die niedrige Bewertung ihres Unternehmens an der Börse sehen.

Jetzt kommt zu der Enttäuschung auch noch Druck von außen. Denn wer einen Konzern kaufen und spalten will, dem öffnet die kürzlich beschlossene Steuerreform in Deutschland die Türen: Der Verkauf von Tochtergesellschaften ist vom Jahr 2002 an steuerfrei. "Die Zerschlagung von Firmen ist leichter geworden", stellt etwa Ronald Koehler, Analyst bei der Commerzbank, nüchtern fest. Dazu zählt Koehler auch die feindliche Übernahme von Mannesmann durch Vodafone, die in Deutschland den Damm gebrochen habe.

Für die Manager bekommt das Schlagwort "Shareholder Value" daher eine neue Bedeutung: Sie müssen aus eigener Kraft den Börsenwert ihres Unternehmens nach oben bringen, um es teurer und damit unattraktiver für feindliche Übernahmen zu machen - und um selbst mit teuren Aktien als Akquisitionswährung auf Einkaufstour gehen zu können. Lachende Dritte können die Aktionäre sein. Denn sie profitieren sowohl von den Bemühungen des Unternehmens, den Aktienwert zu steigern als auch von möglichen Übernahmefantasien.

Ein Unternehmen, das Analysten durch ein gutes Wertmanagement begeistert - aber auch immer wieder als Übernahmekandidat gehandelt wird -, ist die Bayer AG. Der Chemie- und Pharmakonzern gilt an der Börse als unterbewertet. Ein Überblick bei Bloomberg zeigt: Von 48 Analysten haben 33 die Aktie auf "Kaufen" gestuft, 15 auf "Halten", Verkaufsempfehlungen gibt es keine. "Für Bayer muss ein Konglomeratsabschlag gezahlt werden", erklärt Koehler den relativ niedrigen Aktienkurs. Bayer-Chef Manfred Schneider hält fest an einer Vier-Säulen-Strategie mit den Segmenten Gesundheit, Landwirtschaft, Polymere und Chemie. Viele Investoren würden es lieber sehen, wenn Bayer sich stärker fokussierte, etwa auf den Sektor Gesundheit.

Das Bayer-Management setzt dem stagnierenden Aktienkurs ein Wertmanagementprogramm entgegen: Das Cash-Flow-basierte Steuerungssystem wird jetzt konsequent ausgebaut. Das Anfang des Jahres 2000 eingeführte Optionsprogramm bindet zudem die Führungskräfte an die Shareholder-Value-Ziele. Es soll zügig auf weitere Managementebenen ausgedehnt werden. Zudem erwägt die Bayer-Spitze, nach Abschluss des Geschäftsjahres 2000 detailliertere Wertkennziffern als bisher zu veröffentlichen und das Thema mit institutionellen Investoren und Privatanlegern intensiver zu diskutieren.

Die Aktionäre profitieren vor allem durch kluge Investitionsentscheidungen, die auf Basis des Wertsteigerungs-Programms getroffen werden. Beispiel: Analyst Koehler sieht die Kursentwicklung von Bayer vor allem durch das Segment Gesundheit bestimmt und hier sei auf Grund erfolgreicher Produktneueinführungen und der eingeleiteten Restrukturierungen eine Margenverbesserung von 13 Prozent im Jahr 1999 auf 21 Prozent im Jahr 2003 zu erwarten. "Es macht Sinn, wie Bayer den Shareholder-Value-Ansatz in konkrete Investitionsentscheidungen umsetzt", sagt auch Andreas Heine von der Hypo-Vereinsbank in München.

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