Wirtschaft : Steuersünder wollen ihr Schwarzgeld retten

brö/mo

Vor der Einführung des Euro-Bargeldes versuchen zahlreiche Besitzer von Schwarzgeld (siehe Lexikon ), ihr Kapital vor dem Staat in Sicherheit zu bringen. Dies macht sich im Handel mit Luxusgütern bemerkbar, der deutliche Zuwächse verzeichnet. Auch die Ausfuhr größerer Bargeldsummen ins Ausland hat stark zugenommen. Für die überraschend gute Entwicklung des Weihnachtsgeschäftes ist die Euro-Umstellung aber nur ein Grund - Experten sprechen auch von Nachholbedarf nach dem 11. September.

Der Handel mit teuren Uhren und hochwertigem Schmuck verzeichnete nach Angaben des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) zuletzt ein deutliches Plus. Branchenkenner führen dies darauf zurück, dass Besitzer von unversteuertem Kapital vor dem Umtausch von Mark in Euro versuchen, ihr Geld vor dem Fiskus zu retten. Beim Transfer über ein Kreditinstitut sind die Besitzer gezwungen, die Herkunft von Summen offenzulegen, die über der Grenze von 30 000 Mark liegen. Darüber hinaus verschickt die Bank eine Kontrollmitteilung an das Finanzamt, das womöglich nach der Herkunft des Geldes fragt.

Auch der Handel mit Grundstücken und Häusern, vor allem in Südeuropa, hat nach Angaben von Immobilienfachleuten in den vergangenen Monaten hohe Zuwächse zu verzeichnen. Dort spielt Branchenkennern zufolge Schwarzgeld beim Kauf schon lange eine große Rolle - oft liege der tatsächliche Kaufpreis einer Immobilie deutlich über dem vertraglich vereinbarten. Ähnlich funktionieren Geschäfte mit Yachten und Luxus-Autos. Die Branchenverbände dementieren dies zwar, Insider berichten jedoch in diesem Jahr von zahlreichen Bestellungen aufgrund des Schwarzgeld-Problems.

Auch nach Einschätzung der Bundesregierung fördert die Euro-Einführung vermehrt Schwarzgeld zu Tage. Verdachts- und Selbstanzeigen bei Banken und Finanzbehörden hätten sich vervielfacht, hieß es am Montag im Bundesfinanzministerium. Die Bundesbank schätzt, dass derzeit noch 100 Milliarden Mark an Schwarzgeld in Umlauf sind. An den Grenzübergängen beobachten Zollfahnder, dass viele Kapitalbesitzer ihr Geld in die Schweiz und nach Luxemburg zu transferieren versuchen. Allein im Oktober hat sich der Wert der entdeckten Bargeldtransporte im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, berichtet das Zollkriminalamt in Köln. Vor dem Jahreswechsel sollen die Kontrollen weiter verstärkt werden.

Auch die Verringerung des Bargeldumlaufs in Deutschland ist ein Indiz für vermehrte Schwarzgeld-Aktivität. Bei der Bundesbank in Frankfurt (Main) heißt es, er sei in diesem Jahr kontinuierlich zurückgegangen - von 131 Milliarden Euro Anfang des Jahres auf derzeit 106,7 Milliarden Euro.

Die gute Entwicklung des Weihnachtsgeschäfts im Einzelhandel ist Experten zufolge jedoch nicht in erster Linie darauf zurückzuführen, dass vermehrt Schwarzgeld ausgegeben wird. Der Einzelhandelsverband HDE hatte berichtet, dass trotz der allgemeinen Konjunkturschwäche sieben von zehn Händlern am zweiten Adventssamstag bessere Geschäfte verzeichnet hatten.

Zwar sei die Euro-Umstellung "ein möglicher Grund", sagte Jochen Schmidt, Einzelhandelsexperte beim Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Uwe Christian Täger vom Münchener Ifo-Institut hält jedoch Nachholeffekte für plausibler. "Jetzt geben die Leute aus, was sie nach dem 11. September zunächst gespart haben." Außerdem erhöhe die gesunkene Inflation und die preiswerteren Energiepreise die Kaufkraft. Schließlich, so eine Sprecherin des Einzelhandelsverbandes HDE, gäben die Konsumenten vor der Euro-Einführung nun Bargeld aus, das sie bislang zuhause aufbewahrt hätten. Die Wachstumszahlen für das gesamte Jahr 2001 werden durch das gute Weihnachtsgeschäft aber nicht entscheidend nach oben korrigiert, erwartet DIW-Fachmann Schmidt. "Die Zuwachsraten steigen maximal um einen Zehntelprozentpunkt, zu mehr reicht es nicht", erwartet er.

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