Steve Jobs : Gib mir ein i

Sie nennen ihn Genie, Guru, Messias. Die größten Fans sagen schlicht iGod zu Steve Jobs. Apple hat nicht einfach nur Kunden, sondern fanatische Gefolgsleute. Und das liegt vor allem am CEO selbst.

Rita Neubauer

Steve Jobs formte aus Apple eine Großmacht, die gerade zum wertvollsten Technologieunternehmen der Welt aufgestiegen ist. Eine grandiose Erfolgsstory, vor allem angesichts der Tatsache, dass Apple Mitte der 90er vor dem Aus stand.

Auch die Geschichte von Jobs ist eine von Höhen und Tiefen. Steven Paul Jobs kommt am 24. Februar 1955 in Green Bay im US-Bundesstaat Wisconsin auf die Welt. Seine leiblichen Eltern geben ihn zur Adoption frei, er wächst in Mountain View nahe San Francisco in einfachen Verhältnissen auf. Nach dem Schulabschluss weiß er nicht so recht, wo es langgehen soll. Er wird zum Hippie, versucht sich an Drogen und seltsamen Diäten, pilgert nach Indien. Doch das zukünftige Silicon Valley liegt um die Ecke, und die Freundschaft mit Steve Wozniak, einem genialen Entwickler, entpuppt sich schließlich als Glückstreffer. Jobs und Wozniak sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Im zukünftigen Hightech-Mekka werden mit Hewlett-Packard, Intel, Atari und Xerox die Fundamente für einen neuen Wirtschaftszweig mit dem PC, dem „personal computer“, gelegt.

1976 gründet Studienabbrecher Jobs zusammen mit seinem Freund „Woz“ in der Garage seiner Adoptiveltern die Computerfirma Apple. Der Tüftler Wozniak kümmert sich um die Weiterentwicklung des Apple I, Jobs wird zum Vermarkter, beschafft das Kapital. Apple wird schnell zum Marktführer und Jobs zum Medienliebling – trotz oder gerade wegen seines Rufs als Einzelgänger und halsstarriger Besserwisser. 1980 wagt sich das Start-up an die Börse, und Jobs, der mit 23 Jahren seine erste Million verdient, kann mit 25 Jahren das Hundertfache für sich verbuchen.

Doch fünf Jahre später wird Jobs von ehemaligen Mitarbeitern entmachtet, er muss Apple verlassen. Es ist die erste bittere Niederlage des enorm reichen „Rockstars“ der Computerwelt. Jobs gründet daraufhin seine nächste Firma. Mit NeXt hofft er, den Erfolg von Apple zu wiederholen. Doch dieser bleibt aus.

Ganz nebenbei steigt er ins Filmgeschäft ein. Mit seiner Firma Pixar bringt er in Kooperation mit Disney World den ersten vollständig am Computer produzierten Spielfilm heraus. „Toystory“ wird 1995 zum Hit, Pixar geht an die Börse und wird zum Milliarden-Dollar-Unternehmen mit Kassenschlagern wie „Findet Nemo“ und „Die Unglaublichen“.

Elf Jahre nach seinem Rausschmiss holt Apple Jobs zurück. Das Marketinggenie, der Mann mit den Visionen und hohen ästhetischen Ansprüchen, der zudem einen Riecher für den Geschmack der Massen hat, soll das Unternehmen retten, das 1997 vor der Pleite steht. Und tatsächlich: Seine Rückkehr beendet die Talfahrt. Mit Innovationen wie dem iMac und dem iPod wird das Fundament für steiles Wachstum gelegt. Der iPod wird zur Einstiegsdroge für Menschen, die zuvor kein Interesse an Apple hatten und den PC einem Mac vorzogen. Und das iPhone wird zum Bestseller. Ähnliches erhofft man sich im kalifornischen Cupertino als Nächstes vom iPad.

Jobs ist wieder voll da. Doch dann kommen die Krankheiten. 2004 wird bei dem vierfachen Vater ein Tumor an der Bauchspeicheldrüse festgestellt. Immer wieder verstören Gerüchte um seinen Gesundheitszustand die Fans – und drücken kurzfristig den Aktienkurs des Unternehmens. 2009 ist von einer Hormonkrankheit die Rede. Im gleichen Jahr unterzieht sich Jobs einer Lebertransplantation. Mit 55 ist er zwar noch zu jung für die Rente. Trotzdem geht die Frage um, wer ihn einmal ersetzen soll.

Immerhin scheint das Alter ihn schon etwas milder gestimmt zu haben. Dafür sprechen zumindest Gerüchte, nach denen er zusammen mit dem Autor Walter Isaacson an einer Biografie arbeitet. Denn: Biografien des Apple-Chefs gibt es zwar schon viele. Doch noch keine konnte den als Choleriker bekannten Jobs überzeugen. Er klagte auch schon gegen die unautorisierten Lebensbilder. Oder wies seine Mitarbeiter an, sämtliche Bücher des Verlages aus den Schränken zu entfernen. So viel ist eben klar: Jobs, der Kommunikator, verstummt, wenn es um konkrete Auskünfte über sein Imperium geht.

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