Wirtschaft : Stichwort Börsenregeln - sind steigende Zinsen nun ein gutes oder schlechtes Zeichen?

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"Börsenweisheiten stimmen immer - außer, wenn man sich gerade darauf verlässt", schimpft ein Händler der Deutschen Bank. In der Tat hat so manch ein Anleger, der den Leitsätzen der Börsengurus Folge leistete, böse Überraschungen erlebt. Das gilt auch für Zinsregeln. Die einfachste Version davon: Steigende Zinsen sind schlecht für die Aktienbörse. Eine der vielen Begründungen: Notenbanken nehmen nur zu diesem Schritt Zuflucht, wenn die Inflation im Anmarsch ist. Dann verringern sich auch die Unternehmensgewinne, und die Aktienkurse sacken ab. Tendenziell ist das nicht falsch. Allerdings schaden Zinserhöhungen nicht immer den Aktienkursen. Werden sie vorsichtig angekündigt und in geringem Ausmaß über eine längere Zeitspanne vorgenommen, kann das der Börse sogar den Boden für eine solide Hausse bereiten. Denn dann müssen die Marktteilnehmer keine wirtschaftlichen Überhitzungen befürchten. Wer also jegliche Zinssteigerung zum Anlass nimmt, sich von einem Engagement an der Börse zurückzuziehen, dem können unter Umständen satte Gewinne entgehen.

Anleger sollten aus solchen Erfahrungen dennoch nicht folgern, es sei besser, Börsenregeln grundsätzlich zu ignorieren. Wer in Aktien oder Anleihen investiert, sollten zwar kein blindes Vertrauen an den Tag legen. Aber oft steckt doch eine Menge Erfahrung in den Lehrsätzen. Allerdings ist das Wissen über volkswirtschaftliche Zusammenhänge bruchstückhaft; das geben die Ökonomen zu. Kommt noch der Mensch mit seinem oft irrationalen Verhalten ins Spiel, fallen Prognosen erst recht schwer.

Auch aus einem anderen Grund sollten Investoren die Börsenpropheten nicht zu sehr schelten: Denn wenn viele Marktteilnehmer ihren Voraussagen glauben und in gleicher Weise handeln, entsteht der erwartete Trend tatsächlich.

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