Wirtschaft : Stichwort KWU - Der zweitgrößte Kraftwerksbauer

Der Siemens-Bereich Energieerzeugung (KWU, Erlangen) ist seit dem Kauf der Sparte konventionelle Kraftwerke der Westinghouse Power Generation, Orlando, der zweitgrößte Kraftwerksbauer der Welt. Westinghouse war im August 1998 für rund 1,2 Milliarden Mark von Siemens gekauft worden. Der KWU-Umsatz erreichte im Geschäftsjahr 1998/99 (endete am 30. September) 15,5 Milliarden Mark (7,9 Milliarden Euro). Davon entfielen 1,1 Milliarden Euro auf die Kerntechnik mit 4100 Mitarbeitern. Weltweit hat KWU 27 600 Mitarbeiter. Der Siemens-Bereich verfügt über ein umfassendes Spektrum von Stromerzeugungstechniken einschließlich Service sowie die ganze Bandbreite aller denkbaren Dienstleistungen rund um Kraftwerksprojekte: von Netzstudien und Finanzierungspaketen über die schlüsselfertige Errichtung bis zu Betrieb und Wartung.

Trotz der Expansion ist der Bereich ein Sorgenkind von Siemens. Seit Jahren schreibt KWU rote Zahlen. 1998/99 rutschte der Bereich mit 261 Millionen Mark Verlust tiefer ins Minus; das Unternehmen begründet dies mit Überkapazitäten nach dem Westinghouse-Kauf sowie dem Preisverfall nach der Liberalisierung der Strommärkte in Europa. Ferner gab es technische Probleme im Gasturbinengeschäft. Schließlich sank die Nachfrage für schlüsselfertige Kraftwerke vor allem in Südostasien.

Konzernchef Heinrich von Pierer hatte sich bereits im Sommer unzufrieden mit der Entwicklung des Bereichs gezeigt. Die Ergebnisentwicklung komme nicht wie erhofft voran, hieß es damals. Gleichzeitig musste der langjährige KWU-Chef Adolf Hüttl seinen Posten räumen. Bereits im Geschäftsjahr 1997/98 hatte der Bereich ein Minus von knapp 200 Millionen Mark abgeliefert.

Mit der Fusion des Atomtechnikgeschäfts mit dem von Framatome vollendet Siemens die Neuausrichtung des Bereichs Energieerzeugung im Rahmen seines Konzernumbaus. KWU baut die Zahl seiner 16 300 Mitarbeiter in Deutschland bis September 2001 um 1900 ab. Der Wasserkraftbereich wurde in ein Joint-venture mit dem Maschinenbauer J. M. Voith eingebracht.

Siemens entwickelt seit 1989 mit Framatome und dem Stromversorger EdF den Europäischen Druckwasserreaktor ERP. Neben schlüsselfertigen Kernkraftwerken entwickelt und baut KWU auch Reaktorkomponenten und Brennelemente. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist die Modernisierung von Reaktoren russischer Bauart in Mittel- und Osteuropa.

0 Kommentare

Neuester Kommentar