Wirtschaft : Stiftung soll mit drei Millionen Mark für NS-Opfer ausgestattet werden

Die in Abwicklung befindliche IG Farben will eine mit drei Mill. Mark ausgestattete Stiftung gründen, um ehemalige NS-Zwangsarbeiter zu entschädigen. Das sollen die Aktionäre auf der Hauptversammlung am Mittwoch beschließen. Die in einem bundesweiten Bündnis gegen IG Farben zusammengeschlossenen Gegner sprechen von einer "lächerlich geringen Summe". Sie fordern, dass das Unternehmen, im Dritten Reich verantwortlich für die Produktion des Giftgases Zyklon-B, sofort aufgelöst wird. Das gesamte Restvermögen (21 Mill. Mark) solle an frühere Zwangsarbeiter des ehemaligen Chemie-Riesen verteilt werden, von denen schätzungsweise 40 000 noch leben. Für die Unternehmensgegner ist die bloße Existenz der Aktiengesellschaft ein moralischer Skandal, die Stiftung lehnen sie ab: "Damit werden die ehemaligen Zwangsarbeiter erneut auf die Rolle von Bittstellern degradiert", sagte Philipp Schink vom Bündnis.

Die Unternehmensliquidatoren, der Rechtsanwalt Volker Pollehn und der Bundestagsabgeordnete Otto Bernhardt (CDU), wollen bei einem positiven Votum der Hauptversammlung zunächst selbst die Stiftung leiten. "Bereits Mitte nächsten Jahres könnten wir mit den Auszahlungen beginnen", sagte Pollehn. Doch selbst für den Fall, dass es unter den Aktionären eine Mehrheit für die Stiftung gibt, stehen der Entschädigung früherer Zwangsarbeiter Hindernisse im Weg. Aktionären, die gegen eine Stiftung votieren, müsste ein Ausgleich für den Vermögensverlust gezahlt werden, sagte Pollehn. Das Unternehmen will darüber hinaus überlebende Zwangsarbeiter zur Unterschrift unter eine Petition auffordern, mit der es Zugriff auf das frühere Auslandsvermögen der IG Farben erhalten will. Dabei handelt es sich um eine Summe von 4,4 Mrd. DM, die von der Schweizer Bank UBS gefordert wird. Pollehn kündigte an: "Wir werden die UBS nicht in Ruhe lassen, bis wir das Geld haben."

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