Wirtschaft : Stiftung Warentest: Der Verbraucher wird erwachsen (Kommentar)

Rainer Hank

Die Stiftung Warentest beschwert sich darüber, vom Bund kaputt gespart zu werden. Müsste die Stiftung nicht besser für die öffentlichen Subventionen von jährlich acht Millionen Mark bedanken, die ihr auch nach der Etatkürzung noch zur Verfügung stehen? Immerhin müssen die meisten anderen Unternehmen ohne solche Privilegien leben. Keine Frage: Subventionskürzungen von 40 Prozent sind hart - für eine Institution, die schon 100 Prozent in ihrem Untersuchungs-Design eingeplant hat, oder für Beschäftigte, die um ihren Job fürchten.

Aber ist die Kürzung auch hart für den Verbraucher? Die Stiftung behauptet das: Sie sieht ihre Unabhängigkeit gefährdet und damit ihren Auftrag, vergleichende neutrale Produktanalysen zu erstellen. Das Dickicht der Waren und Dienstleistungen sei unübersichtlich; die Spreu vom Weizen zu trennen nicht leicht, sagt die Stiftung. Staatliche Unterstützung soll den bewussten Verzicht auf Anzeigen der Test-Hefte kompensieren. Und diese Hefte sind prima.

Das ist alle richtig. Doch bedarf der Konsument für diese nützliche Hilfe zur Transparenz wirklich staatlicher Unterstützung? In Deutschland hat man den Verbraucher lange Zeit für ziemlich unerwachsen gehalten. Unmündige müssen staatlich geschützt werden - von Handwerksordnungen, Ladenschlussgesetzen, Bundesaufsichtsbehörden oder der Stiftung Warentest. Doch der Verbraucher hat seine Pubertät längst hinter sich. Auf Internetportalen wie Ciao.com oder Dooyoo kann er mit anderen seine Erfahrungen austauschen über alles, was man für Geld kaufen kann. Welchen Wissensvorsprung hat eine öffentlich geförderte Stiftung gegenüber diesen Portalen? Ist ein Ranking neuer Biotechnologie-Fonds in der Zeitschrift "Finanztest" objektiver als vergleichbare Ranglisten in "Focus Money", "Euro am Sonntag" oder im "Tagesspiegel"? Im Prinzip wohl kaum, was Schludrigkeit oder Bestechlichkeit im Einzelfall nicht ausschließt. In der Endlichkeit dieser Welt werden wir mit begrenzter Information leben müssen. Vollständige Transparenz oder neutrale Objektivität gibt es nicht. Auch nicht bei der Stiftung Warentest. Deswegen dürfen wir getrost weiterhin gute Test-Hefte erwarten - trotz Subventionskürzung.

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