• Stiftung Warentest: Der Vorstand des Verbraucherforums Dooyoo hält die Stiftung nicht für überflüssig (Interview)

Wirtschaft : Stiftung Warentest: Der Vorstand des Verbraucherforums Dooyoo hält die Stiftung nicht für überflüssig (Interview)

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Herr Frohn-Bernau, brauchen wir eine Institution wie die Stiftung Warentest?

Die Stiftung Warentest hat für unser Geschäftsmodell gute Vorarbeit geleistet. Sie hat die Leute sensibilisiert und den Nutzen neutraler Information deutlich gemacht. Die Macht der Information kann durch uns von den Herstellern auf die Konsumenten übergehen. Und eine halbe Million Abonnenten sprechen doch für sich. Unsere Kunden nutzen die Tests als ergänzende Informationsquelle.

Die Stiftung Warentest wird vom Bund bisher mit 13 Millionen Mark jährlich bezuschusst. Fühlen Sie sich nicht benachteiligt?

Nein. Wir haben ein anderes Geschäftskonzept und die Stiftung Warentest ist nicht unser Konkurrent, sondern ein zusätzliches Informationsangebot. Es ist für uns kein Problem, wenn die Geld bekommen. Ich maße mir nicht an zu beurteilen, ob 13 Millionen Mark angebracht sind. Aber natürlich sehen wir grundsätzlich das Problem, dass der Staat zu viele Subventionen an Unternehmen der Old Economy vergibt, statt sie in die Bereiche der New Economy zu investieren, aus denen in Zukunft unser Wirtschaftswachstum kommen wird.

Mit Hilfe der Zuschüsse will die Stiftung Warentest ihre Unabhängigkeit und Neutralität bewahren. Können Sie das auch ohne Subventionen?

Es gibt keinen Grund der Stiftung Warentest mehr zu vertrauen als uns. Dort testet ein Mensch eine Woche lang ein Produkt verschiedener Hersteller - mit den entsprechenden wirtschaftlichen Folgen für die Unternehmen. Auch wenn die Organisation auf Neutralität bedacht ist, heißt das nicht, dass das auch für jeden Mitarbeiter gelten muss. Es ist nicht wirklich kontrollierbar. Unser Angebot ist hingegen gnadenlos transparent. Wir bieten Konsumenten eine Plattform, auf der sie ihre Erfahrungen mit den Produkten im täglichen Leben austauschen können. Aus der Summe der Bewertungen kann sich der Nutzer dann ein Urteil bilden. Diese Quintessenz ist wertvoller als der Test eines nicht transparenten Apparats.

Aber Sie finanzieren sich aus Werbeeinnahmen und Provisionen der angeschlossenen Shops. Wie können Sie da neutral sein?

Wir selbst verkaufen ja nichts und uns ist es egal, bei welchem Shop unsere Kunden einkaufen. Außerdem werden bei uns nicht nur die Produkte und die Shops bewertet, sondern die 200 000 eingetragenen Nutzer kommentieren auch gegenseitig ihre Meinungsbeiträge und natürlich uns. Wenn jemand Blödsinn schreibt, dann wird das von den anderen Nutzern auch für jeden sichtbar so bewertet. Bei uns sind viele Filter eingebaut. Unser System ist sauber.

Sie brauchen also keine Hilfe vom Staat?

Nein. Wir arbeiten mit privatem Risikokapital. Was wir vom Staat brauchen, sind wettbewerbsfähige Bedingungen für die Gewinnung neuer Mitarbeiter. Dazu gehört die faire Besteuerung von Aktienoptionen (in den USA sind es 20 Prozent, in Deutschland 50 Prozent) und eine flexiblere Gestaltung des Arbeitsrechts. Auf Subventionen können wir dann verzichten.

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