Wirtschaft : Stiftung Warentest empfiehlt Riester-Renten

Große Unterschiede bei der Qualität/Finanzprobleme der Versicherer kein Hinderungsgrund für den Abschluss einer Police

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Berlin (mot). Wer mit Riester-Rentenversicherungen für sein Alter vorsorgen will, sollte vor Vertragsabschluss auf erhebliche Qualitätsunterschiede achten. Dazu rät die Stiftung Warentest, die 374 Angebote unter die Lupe genommen hat. Der Tenor des Vergleichstests: Riester-Produkte sind für jedes Alter geeignet und erzielen bei richtiger Auswahl eine gute Rendite von bis zu zehn Prozent. Die Unterschiede sind allerdings groß. So kann ein 30-jähriger Familienvater mit einem Jahreseinkommen von 40000 Euro bei einem guten Anbieter 880 Euro Riester-Rente ansparen, bei einem schlechten sind es dagegen nur 540 Euro. Gemessen an den Kosten herkömmlicher Vorsorgeprodukte und unter Berücksichtigung der staatlichen Förderung und der Steuervorteile seien Riester-Renten aber im Prinzip empfehlenswert, so die Stiftung Warentest. Arbeitsminister Walter Riester (SPD) begrüßte den Vergleichstest. Er verschaffe den Verbrauchern einen Überblick und erleichtere die Auswahl des passenden Vorsorgeproduktes.

„Insgesamt haben wir für fünf Modellkunden 27 sehr gute und 32 mangelhafte Produkte identifiziert“, sagte Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“ am Dienstag in Berlin. Und: „Es gibt kein Unternehmen, das mit seinen Produkten in einer Sparte für alle Modellkunden Testsieger ist“, so Tenhagen. Die Bewertung der Produkte hänge immer vom Alter, dem Einkommen, dem Geschlecht und dem Familienstand des Kunden ab.

Keinen Hinderungsgrund für den Abschluss einer Riester-Rente sehen die Finanztester in der kritischen Finanzlage einiger Versicherungsgesellschaften. Das eingesetzte Kapital sei bei Riester-Versicherungen garantiert, sagte Peter Schütt, Abteilungsleiter Finanzdienstleistungen. Im Übrigen arbeite die Branche an einem Rettungskonzept für angeschlagene Versicherer. Solange es keine Erkenntnisse über Schieflagen gebe, könne den Verbrauchern auch kein verlässlicher Rat gegeben werden, bei welchen Versicherern Vorsicht geboten sei.

Getestet wurden die drei Varianten der Riester-Rente: die klassische Rentenversicherung (für sicherheitsorientierte Anleger), die Rentenversicherung mit begrenztem Fondsanteil (höhere Rendite bei geringem Risiko) und Policen mit hohem Fondsanteil (hohe Rendite für Risikofreudige). Dabei ergab die Untersuchung für fünf Modellkunden: Bei der klassischen Rentenpolice liegt in vier von fünf Fällen der Versicherer Asstel, der zum Gothaer-Konzern gehört, vorn. Die Berlinische Leben bietet in vier von fünf Fällen die beste Rente mit begrenztem Fondsanteil. Die besten Rentenversicherungen mit hohem Aktienanteil kommen in drei von fünf Fällen von der Volksfürsorge. Bei der Anlage in Fonds wurde generell eine Verzinsung vor Kosten von neun Prozent unterstellt. „Auch die Tchibo-Rente der Axa und die KaiserRente der Hamburg-Mannheimer schneiden mehrmals mit ,sehr gut’ ab“, sagte Tenhagen.

Wichtig für die Beurteilung der Riester-Produkte waren die Kosten und die Prognosen über die Höhe der Überschussbeteilungen. Für Letztere treffen die Versicherer Annahmen, deren Plausibilität ein zentrales Prüfkriterium war. „Wir haben geprüft, ob auf Grundlage der aktuellen Situation des Versicherers die prognostizierte Leistung überhaupt realistisch ist“, sagte Peter Schütt. Aus dem Vergleich der „Sollrendite“, die erzielt werden muss, um die vorausgesagten Überschüsse zu erzielen, und dem Anlageergebnis, das die Gesellschaft von 1999 bis 2001 im Schnitt am Kapitalmarkt erzielt hat, leiteten die Tester ihre Qualitätsurteile ab.

Nicht alle Anbieter wollten sich indes diesem Verfahren unterziehen. Große Gesellschaften wie Gerling, HDI oder Hanse-Merkur haben sich nicht an dem Test beteiligt, weil sie den Vergleich scheuten oder mit den Methoden nicht einverstanden waren. „Wir empfehlen grundsätzlich, sich an Anbietern zu orientieren, die sich mit ihren Produkten dem Vergleich stellen“, sagte Tenhagen.

Mehr Informationen im Internet:

www.warentest.de

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