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Stiftung Warentest : Mineralwasser ist nicht besser als Leitungswasser

Die Deutschen lieben Mineralwasser - dabei wird es überbewertet. Laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest ist es nicht besser als Wasser aus dem Hahn.

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Stilles Wasser mit einem frischen Minzezweig.
Stilles Wasser mit einem frischen Minzezweig.Foto: dpa

Wie mühsam ist es doch, Wasserkästen zu schleppen. Warum also nicht darauf verzichten? Zumal die Verbraucherschützer der Stiftung Warentest bei ihrem jüngsten Wassertest zu dem Schluss kommen: Mineralwasser aus dem Supermarkt enthält nicht einmal mehr Mineralien als das Wasser aus der Leitung. Nur jedes fünfte getestete Wasser hatte einen hohen oder sogar sehr hohen Gehalt an Magnesium, Natrium und anderen Nährstoffen. Für den Kauf von Mineralwasser gebe es daher kaum Gründe.

Insgesamt hat Stiftung Warentest 28 Proben von Leitungswasser aus 13 Bundesländern und 30 stille Mineralwässer aus dem Einzelhandel auf ihren Mineraliengehalt und Rückstände von 89 Substanzen hin analysiert Leitungswasser sei das am strengsten kontrollierte Lebensmitteln in Deutschland. Allerdings ist auch das Wasser aus der Leitung nicht völlig rein. Im Wasser aus 21 Orten wurden Spuren von Medikamenten, Pestiziden und Süßstoffen gefunden, wenn auch nicht in einer gefährlichen Konzentration. „Leitungswasser ist so gesund wie Flaschenware“, sagte Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest, am Donnerstag. Verbraucher bräuchten beim Wasser aus dem Hahn nicht einmal Filter.

Aufpassen müssten höchstens Eltern

Die Tester fanden keine Spuren des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. Nitrat war in 27 der 28 Proben nachweisbar, aber lag immer unter dem Grenzwert. Nitrat- und Pestizidspuren kommen vor allem in Regionen vor, in denen viel Landwirtschaft betrieben wird. In großen Städten werden eher Süßstoffe nachgewiesen. Speziell in Berlin wurde ein hoher Mineralstoffgehalt festgestellt, aber auch Rückstände von Arzneimitteln, Pflanzenschutzmitteln und Süßstoffen. In Brandenburg war der Mineralstoffgehalt weitaus niedriger. Spuren von Medikamenten wurden nicht entdeckt.

Das Umweltbundesamt bewertet Arzneimittelspuren nicht als Gesundheitsgefahr für den Menschen. Der Bundesrat fordert allerdings, dass Hersteller besser über die Abbaubarkeit ihrer Medikamente informieren und sich an der Beseitigung von dadurch entstandenen Umweltschäden finanziell beteiligen. Umweltbundesamt und Bundesgesundheitsministerium vergeben in ihren Berichten regelmäßig die Note gut bis sehr gut für Leitungswasser in Deutschland.

Begriff "Mineralwasser" führt in die Irre

Zu den Wasserflaschen im Supermarkt heißt es im Test: Nur acht Sorten enthielten einen höheren Mineralstoffgehalt als das reichhaltigste Trinkwasser aus Rinteln in Niedersachsen. Die beste Marke sei „Ensiger Sport“, das in Summe aber nur ein „Befriedigend“ bekam. In sechs Fällen waren so viele Keime enthalten, dass sie für Immunschwache riskant sein könnten. Hoch waren die Werte etwa bei Gerolsteiner und Märkisch Kristall. Stilles Mineralwasser ist generell anfälliger für Keime als sprudelndes Wasser. In fünf Fällen fanden die Tester Verunreinigungen von Pflanzenschutzmitteln, Süßstoffen und einem Glyphosat-Abbauprodukt, das auch aus Wasch- und Reinigungsmitteln stammen kann.

Einwandfrei seien: Adelholzener (61 Cent je Liter), Bad Liebenwerda aus Brandenburg (49 Cent), Carolinen (50 Cent), Celtic (33 Cent), Elisabethen Quelle (58 Cent), Extaler Mineralquell (37 Cent), Fürst Bismarck (55 Cent), Nestlé Pure Life (33 Cent), Rheinfels Quelle (49 Cent) und Vittel (38 Cent).

Stilles Wasser wird immer beliebter

Seit den 70er Jahren hat sich die Pro-Kopf-Menge von gekauftem Mineralwasser mehr als verzehnfacht. Von 12,5 Liter im Jahr 1970 auf gegenwärtig 147 Liter.. „Leicht sprudelnd“ ist die beliebteste Variante, am stärksten steigt das Segment der stillen Sorten.

Warum aber stilles Wasser kaufen, wenn Leitungswasser ebenso rein ist, umweltschonender - und viel günstiger? Ein Liter aus dem Hahn kostet einen halben Cent, die Flaschen aus dem Test bis zu 70 Cent pro Liter. Ein möglicher Grund ist der Geschmack. Nicht jeder mag das Wasser aus dem Hahn. Für Menschen mit Laktoseintoleranz kann es sich außerdem lohnen, gezielt zu Wasser mit hohem Kalziumgehalt zu greifen. Sportler können mit bestimmten Sorten Magnesiumverluste ausgleichen.

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