Stiftung Warentest untersucht Dispozinsen : Die Masche mit dem Premium-Konto

Die Leitzinsen im Euro-Raum sind so niedrig wie nie. Gemessen daran kassieren die Banken bei Verbrauchern im Dispo noch immer deutlich zu viel. Und was sie an Zinsen senken, holen sie sich an anderer Stelle wieder.

Lisa Kolde
Wer überzieht, zahlt drauf. Nach Ansicht von Verbraucherschützern aber mehr als den Banken zusteht.
Wer überzieht, zahlt drauf. Nach Ansicht von Verbraucherschützern aber mehr als den Banken zusteht.Foto: dpa

Der Dispo, hat Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon einmal gesagt, sei das Taxi unter den Krediten: Stets verfügbar, aber deswegen auch etwas teurer. In vielen Fällen sogar viel zu teuer, findet Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest. Bei 1500 Banken erfragten die Verbraucherschützer in den vergangenen Monaten Dispo-Konditionen. Die am Dienstag in Berlin vorgestellten Ergebnisse fallen in ihren Augen angesichts eines Leitzinses im Euro-Raum von inzwischen 0,05 Prozent ernüchternd aus.

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Dispozinsen zwar durchschnittlich um über einen Prozentpunkt gesunken. Aber mit bis zu 14,25 Prozent für die geduldete Überziehung – den Dispozins also – seien sie bei vielen Banken noch immer viel zu hoch, urteilte Primus. Der günstigste Anbieter verlangte für den Dispo 4,9 Prozent. Bei vielen blieb der Zinssatz im zweistelligen Bereich, im Durchschnitt zahlten Kunden zum Stichtag 1. August 10,65 Prozent. „Die Gesamtsituation ist nach wie vor unbefriedigend.“

Unbefriedigend ist nach Ansicht der Stiftung Warentest auch, dass manche Banken die Kosten für den Kunden lediglich verschoben haben. Zwar habe rund ein Sechstel der untersuchten Institute den Dispo-Zinssatz im vergangenen Jahr „deutlich gesenkt“. Im Gegenzug veranschlagten sie aber teilweise eine höhere Kontoführungsgebühr. „Dadurch kommt es zu einer Senkung des durchschnittlichen Zinssatzes, aber nicht zu besseren Konditionen für die Kunden“, sagte Stephanie Pallasch, die die Untersuchung betreute.

Die sogenannten Premium- und Exklusiv-Konten locken mit einer Reihe von Extras, zum Beispiel einer goldenen Kreditkarte und einem reduzierten Dispozins, und sind in der Regel nur für Kunden mit einem höherem Einkommen zugänglich. Diese zahlen dafür jedoch bis zu 25 Euro im Monat – knapp viermal so viel wie für ein normales Konto. Diese Rechnung geht für den Verbraucher selten auf. „Selbst wenn er sein Premium-Konto jeden Monat um 1000 Euro überzieht, zahlt er unter dem Strich bei manchen Banken mehr als mit einem normalen Konto“, sagte Pallasch.

Die Verbraucherschützer kritisieren außerdem, dass Banken ihre Kunden noch immer nicht ausreichend über den Preis der geduldeten Überziehung informierten. Insgesamt zeige nur jedes zweite untersuchte Institut die Kosten auf seiner Homepage an. Vor allem Volksbanken würden ihre Preisaushänge nur selten online veröffentlichen. Dabei müssen Banken, die Onlinebanking anbieten, ihre Konditionen im Internet frei zugänglich machen. Waren die Verbraucherschützer nicht in der Lage, die Konditionen online einzusehen, schickten sie Tester in die Filialen. Spätestens dort müssen Preise und Konditionen für den Kunden sichtbar aushängen. Das war allerdings laut Stiftung Warentest nicht überall der Fall. In vielen Banken hätten sich selbst die Angestellten ratlos über den Zinssatz gezeigt.

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken widersprach in einer ersten Stellungnahme am Dienstag dem Ergebnis der Finanztest-Auswertung. Der von den Verbraucherschützern ermittelte Durchschnittszins für Dispokredite weiche erheblich von dem Wert ab, den die Deutsche Bundesbank für solche Kredite aktuell veröffentlicht hat. Dieser liegt bei 9,2 Prozent, also fast eineinhalb Prozent niedriger als der der Stiftung Warentest.

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