Wirtschaft : Stilles Wasser

Das Getränk findet rauschenden Absatz – aber die Preise sinken

Carsten Brönstrup

PREIS DER WOCHE

Zweistellige Steigerungsraten, ein Jahr für Jahr zuverlässig wachsender Markt, preiswerte Herstellung, billiger Transport, kostenlose Rohstoffe – das ist der Stoff, aus dem moderne Manager-Träume sind. Und manchmal werden sie sogar Realität, trotz der Konjunkturkrise: Stilles Mineralwasser gehört zu den wenigen Rennern im Einzelhandel und verzeichnet hier zu Lande einen rauschenden Absatz. Allein im vergangenen Jahr schleppten die Deutschen 28 Prozent mehr von dem Nass nach Hause, insgesamt ließen sie rund 850 Millionen Liter durch ihre Kehlen rinnen. Die Preise blieben trotz der immensen Nachfrage stabil oder gingen sogar zurück. Kennen die Mineralwasser-Manager das Einmaleins der Marktwirtschaft nicht – bei steigender Nachfrage steigt der Preis?

„Doch“, sagt Andreas Krämer von der Rewe Handelsgruppe in Köln, die Märkte der Marken Toom, Minimal, HL oder Penny betreibt. „Zugleich ist aber das Angebot an Mineralwasser gestiegen, ein Engpass stand also nicht zu befürchten.“ Früher beherrschten die französischen Marken Vittel, Volvic und Evian den deutschen Markt. Dann kam die Wellness-Welle, und mit ihr der Rat an die Verbraucher, pro Tag mindestens zwei Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Deshalb steigt die Nachfrage und nimmt die Konkurrenz zu, immer mehr Anbieter drängen in die Supermarkt-Regale – zuletzt etwa Gerolsteiner, bislang nur Branchenführer bei sprudelndem Mineralwasser. Mit „Naturell“ will die Eifel-Quelle teilhaben am Trink-Boom. Je mehr Anbieter, desto größer auch die Preisspannen: Billigwasser in 1,5-Liter-Einweg-Flaschen ist derzeit in den Läden bereits für 25 Cent je Liter zu haben, die teuren französischen Durstlöscher mit gesundem Image und die neue deutsche Konkurrenz-Marke kosten meist zwischen 70 und 80 Cent pro Flasche. Foto: ZB/Jochen Eckel

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