Stillgelegt und Kurzarbeit : Lufthansa drückt auf die Kosten

Die Lufthansa wird sich 2009 mit einem erheblich niedrigeren Gewinn zufriedengeben müssen als im Vorjahr, will aber auf jeden Fall wieder deutlich positive Zahlen schreiben. Eine konkrete Prognose wollte Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber aber nicht geben.

Rolf Obertreis
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Abwärtstrend. Vor allem Geschäftsreisende halten sich mit Buchungen zurück. -Foto: dpa

Frankfurt am Main „Angesichts des schwierigen Umfeldes kann man keine seriöse Aussage machen“, sagte er am Mittwoch auf der Bilanz-Pressekonferenz in Frankfurt am Main. Erst 2010 rechnet er mit einer Stabilisierung der Lage. Die Lufthansa werde ihr Angebot weiter der Marktlage anpassen und noch stärker auf die Kostenbremse treten als bisher.

Aktuell hat das Unternehmen 24 Flugzeuge stillgelegt, im Fracht-Bereich ist für 2600 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. Ob Arbeitsplätze abgebaut werden, ließ Mayrhuber offen. Entlastung kommt von den Treibstoffkosten: Sie sollen 2009 auf 3,2 Milliarden Euro sinken, nach 5,4 Milliarden Euro im Vorjahr.

Im vergangenen Jahr hat die Lufthansa die aufkommende Krise noch mit Bravour gemeistert. Der Umsatz stieg um elf Prozent auf 24,9 Milliarden Euro, die Zahl der Passagiere um zwölf Prozent auf 70,5 Millionen und der operative Gewinn lag mit 1,35 Milliarden Euro nur knapp unter dem Wert des Rekordjahres 2007. Der Konzernüberschuss ging allerdings deutlich von 1,66 Milliarden auf nur noch 599 Millionen Euro zurück. Die Dividende sinkt von 1,25 Euro auf 70 Cent. Im Vorjahr war darin allerdings ein Gewinn von einer Milliarde aus dem Verkauf der Anteile am Touristikunternehmen Thomas Cook an Arcandor enthalten. Allerdings reduzierte sich auch das Beteiligungsergebnis: Lufthansa musste für Geschäfte mit der amerikanischen Pleite-Bank Lehman Brothers 76 Millionen Euro abschreiben.

Als Volltreffer erweist sich dagegen die Übernahme der Schweizer Swiss: 2008 wurde die Fluglinie erstmals voll in die Ergebnisrechnung aufgenommen und steuerte fast 44 Prozent zum gesamten Ergebnis der Passagiersparte bei.

Nach Auffassung von Mayrhuber ist die Lufthansa nach wie vor finanziell solide, operativ sogar bestens aufgestellt und „bestens gerüstet für die Stürme, die uns noch erwarten“. Auf den Nachfrageeinbruch habe man rechtzeitig mit der Rücknahme des Angebots und einem Einstellungsstopp reagiert. Neben der Stilllegung von Flugzeugen wird die Lufthansa auf Langstrecken auch die Business-Klasse zugunsten der Economy verkleinern. Der Einbruch bei gut zahlenden Geschäftsreisenden ist besonders groß. Zudem wird die Zahl der täglichen Flüge etwa zu Zielen in den USA reduziert. Mayrhuber deutete auch an, dass die Lufthansa die Treibstoffzuschläge weiter senken werde. Insgesamt habe sich der Rückgang der Nachfrage in den ersten beiden Monaten weiter verstärkt, für Februar meldet die Lufthansa zehn Prozent weniger Passagiere als im Vorjahresmonat.

Trotz der schwierigen Lage will die Lufthansa auch 2009 rund drei Milliarden Euro investieren, unter anderem für 51 neue Flugzeuge. Am Mittwochabend teilte der kanadische Flugzeugbauer Bombardier mit, die Lufthansa kaufe für rund 1,2 Milliarden Euro 30 Maschinen. Der Vertrag über die Lieferung der Kurzstreckenflugzeuge aus der neuen Modellreihe C-Series enthalte zudem die Option, die Bestellung zu verdoppeln. Lufthansa will die Maschinen ab 2014 bei Swiss einsetzen. Die Flugzeuge sollen 20 Prozent weniger Kerosin verbrauchen als Konkurrenzmodelle von Boeing oder Airbus.

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