Wirtschaft : Stimmung der Verbraucher bessert sich leicht

GfK-Konsumklima legt im September zu / Handel skeptisch

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Berlin (brö/akz). Die deutschen Verbraucher werden optimistischer. Nach einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg stieg der Stimmungsindex der Konsumenten im September zum sechsten Mal in Folge. Zwar seien die Erwartungen an die Konjunktur leicht gesunken, hingegen habe die Bereitschaft, in der nächsten Zeit größere Anschaffungen zu tätigen, erstmals seit Monaten leicht zugenommen. Die Börse reagierte auf diesen Konjunkturindikator zunächst mit Zuwächsen, später aber drückte ein starker Euro den Deutschen Aktienindex Dax ins Minus. Bis um 17 Uhr 30 hatte er 0,7 Prozent auf 3301 Punkte eingebüßt.

Der Index, den die GfK allmonatlich per Umfrage unter 2000 Verbrauchern ermittelt, stieg im September auf 5,3 von zuvor 5,0 Punkten. Der private Konsum steht für knapp 60 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Seit 2001 verzeichnen Konjunkturforscher eine ausgesprochene Kaufzurückhaltung, die mitverantwortlich für das schwache Wachstum in Deutschland ist.

Die Erwartungen der Bürger an die Konjunktur gingen zwar erstmals seit drei Monaten wieder zurück. Dafür hoffen sie auf ein steigendes Einkommen in der nahen Zukunft. Der Optimismus nähre sich offensichtlich von der Hoffnung auf die Steuerreform 2004, schrieb die GfK in ihrer Studie. Die Neigung, demnächst größere Anschaffungen zu tätigen, bleibt indes gering. Der Index stieg von minus 33,2 auf minus 31,6 Punkte. Es wäre „verfrüht, darin schon eine Erholung der Konsumneigung zu sehen“, erklärten die Marktforscher. Die ArbeitsmarktLage, die Pleitewelle und die Reformdiskussionen wirkten lähmend, die Verunsicherung der Menschen sitze offenbar tief, und es fehlten noch „positive Signale“.

Thomas Hueck, Ökonom bei der Hypo-Vereinsbank, sagte, angesichts der Daten sei es unwahrscheinlich, dass die Binnennachfrage zur Konjunkturstütze werde. „Dazu müssen die Konsumenten noch mehr Vertrauen in eine Verbesserung der Rahmenbedingungen fassen. Erst dann werden sie wieder mehr konsumieren“, sagte er dem Tagesspiegel. Der Handel nannte die Konjunkturdaten „prekär“. „Die angekündigten Reformen dürfen nicht wieder zerredet werden, sonst wird sich das Blatt schnell wieder wenden, und der Optimismus der Leute wird zunichte gemacht“, forderte Johann Hellwege, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes BAG.

Erste Aufschwung-Signale

Handelsunternehmen spüren indes schon erste Anzeichen der aufgehellten Konsumlaune. Daniel Schmid, Marketingchef des Möbel- Einkaufsverbundes MHK Musterhaus-Küchen mit 1400 Geschäften, verzeichnete im September ein Umsatzplus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Seit vier, fünf Wochen erleben wir eine deutliche Zunahme des Besucherverkehrs“, sagte er. In einigen Wochen werde sich das noch stärker in den Bestellungen niederschlagen. Die Händler seien daher optimistisch.

An der Börse sorgten die GfK-Daten zunächst für Kursgewinne, auch bei konsumnahen Titeln wie der Metro. Bereits vergangene Woche hatte der Ifo-Geschäftsklima-Index eine Besserung der Wirtschaftslage signalisiert. Nach positiven Daten über die Konsumausgaben der US-Bürger am Montag hoffen die Händler nun auf weiterhin positive Daten in den kommenden Tagen, die auf eine Belebung der US-Wirtschaft schließen lassen.

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