Wirtschaft : Stimmung in Berlin-Brandenburg schlägt um

BERLIN (alf).Die Wirtschaft in Berlin und Brandenburg kommt nicht in Schwung.Im Gegenteil: Seit Anfang des Jahres haben die Industrie- und Handelskammer in der Region einen "deutlichen Stimmungsumschwung" festgestellt.Die Unternehmen bewerten die aktuelle Lage sowie die künftige Entwicklung "mit überwiegender Skepsis", lautet das Ergebnis der jüngsten Konjunkurumfrage der Kammern.Das schlägt sich in den Beschäftigungplänen nieder: In Berlin und Brandenburg "wird der Personalabbau weitergehen".

Als Ursachen für das verschlechterte Geschäftsklima nannte Thomas Hertz, Hauptgeschäftsführer der Berliner IHK, "die schlechte Verfassung der Weltwirtschaft mit entsprechenden Folgen für den Export", die schwache Inlandsnachfrage sowie die "Unsicherheit über die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Bundesregierung".Zwei Drittel der Ende Dezember befragten 1400 Unternehmen hätten "Sorgen wegen zusätzlicher Kostenbelastung" artikuliert.Die Bonner Politik wirke sich insbesondere auf die Investitionsplanung aus: Der Umfrage zufolge wollen 28 Prozent der Unternehmen ihre Investionsvorhaben reduzieren, 17 Prozent würden überhaupt nicht investieren, 39 Prozent "halten den schwachen Stand des Vorjahres", und nur 16 Prozent wollten in diesem Jahr mehr investieren als 1998.Hertz zufolge kritisieren die Unternehmen insbesondere die höheren Energiekosten, die verschlechterten Abschreibungsbedingungen, die eingeschränkten Möglichkeiten des Verlustvortrags sowie die Wiedereinführung des Kündigungsschutzes bei kleinen Firmen.Der Berliner IHK-Chef räumte allerdings ein, daß die Bundesregierung inzwischen Verbesserungen zugunsten des Mittelstandes beschlossen habe.

Nachdem die Wirtschaftsleistung Berlin bereits 1998 stagnierte, erwartet Hertz im laufenden Jahr eine Wachstumsrate "oberhalb von Null", aber bestenfalls ein Prozent.Etwas optimistischer sind die Kammern im Land Brandenburg, hier wird ein Quote von zwei Prozent erwartet.Alles in allem gebe es jedoch "im fünften Jahr hintereinander mehr negative als positive Lageurteile, allerdings mit einer tendenziellen Verringerung der negativen und einer ebensolchen Zunahme der positiven Stimmen", heißt es in dem gemeinsamen Konjunkturbericht der Kammern aus Berlin, Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus.Zuletzt seien die Erwartungen in Berlin etwas optimistischer als in Brandenburg, was Hertz mit Effekten des Regierungsumzuges erklärt, von dem der Dienstleistungsbereich profitiere.In der Hauptstadt will ein Drittel der Dienstleister zusätzliches Personal einstellen.Hertz rechnet damit, daß im Zuge des Umzugs von Regierung und Parlament die Zahl der Erwerbstätigen in Berlin um 20 000 bis 50 000 steigen wird.

Aufgeschlüsselt nach Branchen konstatieren die Kammern für die Industrie eine "deutlich unterkühlte Stimmungslage".Das hängt vor allem zusammen mit geringeren Exporten zusammen, nur noch ein Fünftel der befragten Unternehmen rechnet mit steigenden Ausfuhren."Besonders negativ" entwickelt sich dabei als Folge der Rußlandkrise der Außenhandel mit Osteuropa.Weiterhin auf Talfahrt ist die Bauwirtschaft.Knapp die Hälfte der Bauunternehmen beklagt "rückläufige Auftragseingänge bei bereits schwach gefüllten Auftragsbüchern".Der Abwärtstrend auf dem Bau "kann nur noch als dramatisch bezeichnet werden", schreiben die Kammern.Nicht weniger trist ist die Lage im Handel: "Mit 38 Prozent fällt der Anteil negativer Lagebeurteilungen höher aus als in allen anderen Wirtschaftsbereichen." Allerdings ist die Situation im Gastgewerbe nicht viel besser.In Berlin wird das aktuelle Klima "besonders negativ bewertet", in Brandenburg sind Hotels und Gaststätten "etwas zufriedener".Trotz der schlechten allgemeinen wirtschaftlichen Lage geht es den regionalen Kreditinstituten relativ gut.Das positive Privatkundengeschäft schlage sich in zunehmend "positiven Lageurteilen" nieder.Rückläufig war dagegen das Firmenkundengeschäft.

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