Stimmungsbarometer : ZEW-Konjunkturerwartungen auf Rekordtief

Der hohe Ölpreis, der starke Euro und die Finanzkrise in den USA - die Aussichten für die Konjunktur in Deutschland haben sich kräftig eingetrübt. Das vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte Stimmungsbarometer für die kommenden sechs Monate ist im Juli auf ein Rekordtief eingebrochen.

Mannheim Die Konjunkturerwartungen verschlechterten sich im Vergleich zum Vormonat um 11,5 Punkte auf minus 63,9 Punkte und liegen damit weiterhin deutlich unter dem historischen Mittelwert von 28,8 Punkten, wie das ZEW am Dienstag in Mannheim mitteilte. Dies sei der niedrigste Stand seit Beginn der Umfrage im Dezember 1991, sagte ZEW-Mitarbeiter Matthias Köhler. Bislang war der schlechteste Wert des Stimmungsbarometers im Dezember 1992 mit minus 62,2 Punkten erreicht worden.

An der Befragung beteiligten sich 308 Analysten und institutionelle Anleger. "Die aktuellen Vorfälle bei den US-Hypothekenfinanzierern zeigen, dass die Finanzkrise noch lange nicht ausgestanden ist", sagte ZEW- Präsident Wolfgang Franz laut Mitteilung. "Verständlicherweise verstärkt dies die Sorgen der Finanzmarktexperten um die konjunkturelle Entwicklung für die nächsten Jahre in Deutschland."

Weniger Aufträge

Der Rückgang der Konjunkturerwartungen geht laut ZEW unter anderem darauf zurück, dass Unternehmen wiederholt rückläufige Auftragseingänge meldeten. Angesichts eines Auftragseinbruchs bei dem bislang starken Maschinenbau sind die Erwartungen der Experten nun auch in dieser Branche deutlich gefallen. Zudem verringerten die anhaltend hohen Preissteigerungen für Energie und Lebensmittel die Kaufkraft der Konsumenten.

"Die Verbraucher-Stimmung ist entsprechend schlecht", sagte ZEW- Mitarbeiter Köhler. Zum Jahresbeginn seien die Experten noch davon ausgegangen, dass der deutliche Rückgang in der Industrieproduktion aufgefangen werden könnte durch den Konsum. Diese Hoffnung zerschlage sich zunehmend angesichts der gestiegenen Preise. Die Auftragslage in der Industrieproduktion sei zum sechsten Mal in Folge zurückgegangen. Entsprechend verschlechterte sich laut ZEW auch die aktuelle Bewertung der Situation und sank um 20,6 Punkte auf 17,0 Punkte. Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone verschlechterten sich laut Umfrage gegenüber dem Vormonat um 11,0 Punkte auf minus 63,7 Punkte. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum sank um 11,2 Punkte auf minus 3,3 Punkte. (mfa/dpa)

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