Stockholm : Überfall auf Ikea

Räuber sprengten sich den Weg ins Wertdepot der Stockholmer Filiale frei. Viele Käufer schauten dem Spektakel auf dem Weg zum Ikea-Bus ungläubig zu.

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Umgerechnet vier Millionen Euro erbeutete die Helikopterbande 2009.
Umgerechnet vier Millionen Euro erbeutete die Helikopterbande 2009.Foto: picture alliance / dpa

StockholmIn Schweden haben sich viele Menschen schon daran gewöhnt, dass immer wieder, oft unter spektakulären Umständen, Banken, Geldtransporter und -depots ausgeraubt werden. Aber Ikea? Pünktlich zum Ladenschluss stürmten am Dienstagabend maskierte Männer mit Schnellfeuerwaffen und Sprengstoff eine Ikea-Filiale bei Stockholm. Viele Käufer schauten dem Spektakel auf dem Weg zum Ikea-Bus ungläubig zu.

Die Täter sprengten sich den Weg zum Wertdepot der Filiale frei, die als Herzstück des weltweiten Ikea-Imperiums gilt. Zwei Sicherheitsleute der Wachfirma G4S waren im Raum, um die Tagesumsätze einzusammeln. „Einem der völlig überraschten Wächter schlugen die Banditen mit einem Brecheisen auf den Kopf und traten dann weiter auf ihn ein“, berichtete G4S-Sicherheitschef Johan Petersson am Mittwoch. Mit Motorrädern sollen die Täter verschwunden sein.

Auch wenn die meisten schwedischen Ikea-Kunden mit Kreditkarte zahlen, sollen die Täter eine beachtliche Bargeldsumme von mehreren Millionen Kronen erbeutet haben. Die Polizei verhaftete zunächst zwei Unschuldige. Von den Ikea-Banditen fehlte am Mittwoch noch jede Spur.

Ungeachtet der Ermittlungen geht die Raub-Diskussion in Schweden weiter. Denn das kleine friedliche Land, mit relativ gesehen geringen sozialen Unterschieden, erlebte in den vergangenen Jahren eine ganze Kette von ungewöhnlich spektakulären und militärisch gut abgestimmten Raubüberfällen. Wenn es nichts mit bitterer Armut zu tun habe, sei es vielleicht das genetische Erbe der Wikinger, die einst mit ihren Raubzügen ganz Europa in Schrecken versetzten, unken einige. Die brutalen Schwedenkrimis kommen offenbar nicht von ungefähr. Eine filmreife Vorlage für Hollywood etwa lieferte die vergangene Woche zu Haftstrafen verurteilte „Helikopterbande“. Sie hatten das große Stockholmer Gelddepot ausgeraubt. Dabei landeten sie mit einem Hubschrauber auf dem Dach. Der Operation bescheinigte die Polizei große Professionalität. Das Fluggerät wurde kurz vor der Tat gestohlen und später leer in einem Wald gefunden. Die Polizei war zwar sehr schnell vor Ort, aber eine Verfolgung per Auto war schwer. Auch, weil die Bande aus der Luft Krähenfüße auf die Straßen warf, um die Polizeiautos zu stoppen.

In Stockholm finden immer wieder aufsehenerregende Raubüberfälle statt. Vor allem Geldtransporter sind die Opfer. Auf dem Flugplatz Arlanda wurden etwa 43 Millionen Kronen (4,6 Millionen Euro), die in ein britisches Flugzeug gebracht werden sollten, von einer als Flughafenarbeiter getarnten Bande geraubt. Vor ein paar Jahren benutzten Räuber in Stockholm einen Bagger, um ein Gelddepot zu knacken, und entkamen mit 26 Millionen Kronen. Vier Tage darauf wurde ein Geldtransporter auf der Autobahn überfallen. Die Täter nutzten Maschinengewehre und sprengten zehn Autos in die Luft, um der Polizei die Verfolgung zu erschweren. Der Transporter hatte 73 Millionen Kronen geladen. Drei ähnliche Coups folgten.

Da ist es nicht verwunderlich, dass die Stockholmer Geldtransportfahrer in der Vergangenheit bereits eine Woche lang gestreikt haben, um auf ihre gefährliche Arbeitssituation aufmerksam zu machen. Als Folge blieben sämtliche Bankautomaten leer. „Inzwischen wurde die Transportsicherheit stark erhöht und das Geld verfärbt sich in den Transportern automatisch bei Überfällen“, sagte Andreas Fahlen von der Stockholmer Polizei dieser Zeitung. Die Zahl der Raubüberfälle sei deshalb deutlich zurückgegangen.

Auch Ikea dürfte seine Sicherheitsmaßnahmen nun verschärfen. Für den Konzern ist die gestohlene Summe finanziell nicht tragisch. Sorgen dürfte sich das Möbelhaus höchstens über schwedische Familienväter machen, die um die Sicherheit ihrer Kleinen beim nächsten Ikea-Besuch bangen. Die Ikea-Filiale hat wieder geöffnet wie immer. „Ich bin froh, dass es nur um Geld ging und niemand zu Schaden gekommen ist“, kommentierte die Ikea-Pressechefin.

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