Stockholm : Wirtschaftsnobelpreis für zwei US-Forscher und einen Briten

Der Nobelpreis für Wirtschaft geht in diesem Jahr an Peter Diamond, Dale Mortensen und Christopher Pissarides für ihre Arbeit über Märkte und den Kosten für den Ausgleich von Angebot und Nachfrage.

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Ein Stuhl bleibt leer: In Oslo wird der Friedensnobelpreis in Abwesenheit des chinesischen Preisträgers Liu Xiaobo verliehen.Weitere Bilder anzeigen
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06.10.2010 14:54Ein Stuhl bleibt leer: In Oslo wird der Friedensnobelpreis in Abwesenheit des chinesischen Preisträgers Liu Xiaobo verliehen.

Warum ist es möglich, dass es auf freien Märkten eine hohe Zahl von Arbeitslosen und gleichzeitig eine starke Nachfrage nach Arbeitskräften geben kann? Wie hoch darf die Unterstützung für Erwerbslose maximal sein, damit sie nicht das Interesse an einer geregelten Arbeit verlieren? Für ihre Antworten auf diese und andere Fragen sind am Montag drei Ökonomen mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet worden. Der mit rund einer Million Euro dotierte Preis geht zu gleichen Teilen an die US-Wissenschaftler Peter Diamond (70) und Dale Mortensen (71) sowie deren britisch-zyprischen Kollegen Christopher Pissarides (62). Weltweit hätten sich Politiker die Analysen und Erklärungsmodelle der drei Forscher für die praktische Ausgestaltung der Arbeitsmarktpolitik zunutze machen können, begründete das Nobelpreise-Komitee am Montag in Stockholm seine Entscheidung.

Mortensen gilt als Pionier der Theorien zur Arbeitssuche und hat die Forschungsrichtung mit seinen Erkenntnissen geprägt. Pissarides hat sich neben der Arbeitsmarkttheorie auch in die Bereiche Wachstum und Strukturwandel vorgewagt. Die Ökonomen hätten das theoretische Fundament für Märkte formuliert, auf denen Angebot und Nachfrage nicht automatisch und sofort in Einklang kommen, sondern Kosten für die Suche entstünden, um passende Käufer und Verkäufer zusammenzubringen, teilte die Stockholmer Jury mit. Die Ansätze finden auch in der Geldpolitik, Finanzwirtschaft sowie Familienpolitik Anwendung.

„Die Preise für Diamond, Mortensen und Pissarides passen in die Zeit“, sagte Michael Burda, Professor an der Humboldt-Universität Berlin, dem Tagesspiegel. „Gerade jetzt, wo hohe Arbeitslosigkeit ein Thema in den USA ist.“ Die Ökonomen hätten schon früh erkannt, dass der Arbeitsmarkt – gemessen an den Idealvorstellungen klassischer Wirtschaftstheorien – unvollkommen sei. „Die Akteure auf dem Arbeitsmarkt müssen Zeit und Kosten aufwenden, wenn sie sich zum Beispiel bewerben oder einen Bewerber suchen“, sagte Burda. Dies erkläre etwa, warum es trotz vieler offener Stellen eine hohe Arbeitslosigkeit geben könne. Arbeitnehmer und Arbeitgeber stünden mit ihren unterschiedlichen Lohnvorstellungen und sonstigen Ansprüchen permanent vor der Frage, wie intensiv sie suchen sollen und ab wann sich die Suche nicht mehr lohnt. Die drei Ökonomen hätten außerdem in ihren Modellen gezeigt, warum es sinnvoll ist, die Arbeitslosenunterstützung zeitlich und finanziell eng zu begrenzen, um gesamtwirtschaftlich mehr Beschäftigung zu schaffen – so wie es die Hartz-Reformen getan hätten. „Die Reform war erfolgreich – auch wenn sie zu einer größeren Lohnspreizung geführt hat“, sagte Burda.

„Ich bin ziemlich überrascht und sehr froh“, kommentierte am Montag Christopher Pissarides die Ehrung. Die Dominanz angloamerikanischer Forscher wird mit der Vergabe des Preises fortgesetzt. Von 67 Preisträgern kamen bislang 46 aus den USA und neun aus Großbritannien. Nach Deutschland ging der Preis bislang nur 1994 – an den Mathematiker und Volkswirt Reinhard Selten. Der Nobelpreis im Fach Wirtschaftswissenschaften wird erst seit 1969 verliehen.

Der 1940 in New York geborene Peter Diamond dürfte der amerikanischen Öffentlichkeit bekannt sein. Er soll nach dem Willen von US-Präsident Barack Obama in die Riege der obersten Währungshüter des Landes aufsteigen. Ein Einzug in das Board der Notenbank Federal Reserve (Fed) scheiterte aber zuletzt am Widerstand der Republikaner, die dies mit Zweifeln an der Qualifikation Diamonds begründeten. Diamond ist Wirtschaftsprofessor am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge.

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