Stofftierhersteller : Steiff hat genug von China

Weil die Nachfrage nach Knut-Stofftieren so groß war, ließ Steiff in China herstellen. Jetzt holt das Traditionsunternehmen seine Produktion zurück.

Juliane Schäuble
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Original: Der Bär mit dem Knopf im Ohr. -Foto: Cinetext

Berlin - Knut ist schuld. Zumindest zum Teil. Die Nachfrage nach der Plüschtier- Version des berühmten Eisbären war so gigantisch, dass der Hersteller Steiff kaum mit der Produktion hinterher kam. Ein Teil der Knut-Varianten wurde daraufhin als synthetische Billigbären in China hergestellt – und das schwäbische Traditionsunternehmen war erfolgreich angekommen im Massenmarkt. Doch bei dem Rummel um den Berliner Liebling zeigte sich: Die üblichen zwei bis drei Monate Lieferzeit sind generell einfach zu lang. Und der Ruf in China fabrizierter Waren hat nach diversen Rückrufskandalen gelitten. Steiff zog die Notbremse: Spätestens Ende 2009 soll die Produktion komplett aus China zurückgeholt sein. „Wir fertigen künftig wieder alles selber“, bestätigte Steiff-Geschäftsführer Martin Frechen dem Tagesspiegel am Mittwoch.

Erst vier Jahre ist es her, dass die Firma mit Sitz in Giengen an der Brenz ihren angestammten Weg verließ und unter anderem mit der in China fabrizierten Billigmarke „Cosy Friends“ Marktanteile zurückerobern wollte. Waren die Klassikerstofftiere mit dem Knopf im Ohr erst ab 59 Euro zu haben, gab es etwa den Cosy- Friend-Bären Bobby schon für 29 Euro. Doch mit der Billigmarke ist nun Schluss: „Alles, was wir nun produzieren, heißt Steiff“, sagte Frechen. Die Preise sollen dennoch vorerst nicht steigen. Insgesamt wurde knapp ein Fünftel der Stofftiere bei chinesischen Auftragsfirmen hergestellt.

Für Steiff gehe es neben der „Rückkehr zum Markenkern“ auch darum, nach den Negativschlagzeilen über gefährliches Spielzeug aus China ein Signal für Qualität zu setzen. „Dieses Risiko gibt es in China. Wir wollen uns dem gar nicht erst aussetzen“, sagte eine Steiff-Sprecherin. „Man muss nicht alles über den Preis machen“, betont Frechen. „Produktion und Qualität waren in China nicht zu 100 Prozent kalkulierbar.“

Dass immer mehr Firmen China wieder den Rücken kehren, beobachtet auch die Internationale Handelskammer Deutschland (ICC). „China verliert zunehmend an Attraktivität bei ausländischen Investoren“, sagte Angelika Pohlenz, ICC-Generalsekretärin, dieser Zeitung. Laut einer Studie von Booz & Company plane bereits rund ein Fünftel der Firmen, in den kommenden Jahren Standorte in andere Regionen wie Vietnam und Indien zu verlagern. Da spielt auch Produktpiraterie eine Rolle. „China ist aktuell das größte Problemland. So stammen alleine rund 60 Prozent der an den Außengrenzen der EU sichergestellten Piraterieware im vergangenen Jahr aus China“, sagte Pohlenz.

Eginhard Vietz hat das auf die harte Tour gelernt. Als der Mittelständler aus Hannover auf Wunsch seiner Partner komplette Maschinen zur Verlegung von Pipelines in China herstellen ließ, wurde er schwer enttäuscht: Die chinesische Partnerfirma kopierte in einer 20 Kilometer entfernt gelegenen Halle systematisch das Know-how des Weltmarktführers. Heute warnt Vietz andere Firmen, den gleichen Fehler zu machen und sagt: „Wer als Mittelständler nach China geht, muss auf eine Million Euro verzichten können.“ Juliane Schäuble

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