Wirtschaft : Stoxx: Neuordnung in der europäischen Börsenliga

dr/mm

Die Börse hatte die Entwicklung bereits vorweggenommen. In den vergangenen Wochen verlor die Metro-Aktie knapp sechs Prozent. Am Dienstagabend kam dann die endgültige Entscheidung: Die Indexgesellschaft Stoxx Ltd. in Zürich ordnete die europäischen Indices neu und der deutsche Wert Metro AG musste aus dem Euro Stoxx 50 weichen. Am Mittwoch folgte die Gegenbewegung: Die Metro-Aktie verbesserte sich in Frankfurt (Main) bis zum Nachmittag um 3,2 Prozent auf gut 45 Euro.

Die Überlegungen der Anleger sind schnell nachzuvollziehen. Normalerweise profitieren die Gesellschaften von der Aufnahme in einen Index. Umgekehrt sinkt der Aktienkurs, wenn die Aktie aus dem Kursbarometer herausfällt. Veränderungen im Index führten üblicherweise zu starken Kursbewegungen bei den davon betroffenen Aktien. Fondsmanager, die den Index abbilden oder als Orientierung nutzen, müssen ihr Portfolio durch gezielte Käufe und Verkäufe entsprechend anpassen. Im Falle der Metro geschah dies in den vergangenen Wochen, am Mittwoch herrschten dann - zumindest nach Ansicht einiger Investoren - wieder Kaufkurse.

Im Dow Jones Euro-Stoxx 50 sind die 50 Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung im Euroraum zusammengefasst. Damit ist dieser Index aus der Stoxx-Familie einer der wichtigsten Indizes für die Entwicklung des europäischen Aktienmarktes. Aus Deutschland sind nach dem Beschluss vom Dienstagabend noch zwölf Konzerne enthalten: Allianz, BASF, Bayer, Hypo-Vereinsbank, Daimler-Chrysler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, Dresdner Bank, Eon, Münchner Rück, RWE und Siemens.

Doch nicht nur Metro schied aus dem Index aus. Zweiter "Verlierer" war die belgische Electrabel. Neu aufgenommen wurden dafür die französische Danone und die italienische Sao Paolo IMI. San Paolos Notierung hatte deshalb in jüngster Vergangenheit schon knapp neun Prozent zugelegt.

Die Stoxx Ltd. änderte auch ihren zweiten Index, den Stoxx 50. In ihm sind die Unternehmen aus der Europäischen Union (also inklusive Großbritannien und Dänemark) sowie der Schweiz enthalten. Der italienische Versorger Enel, die niederländische Telefongesellschaft KPN und der Konsumgüterriese Unilever werden aus dem Index heraus genommen. Nachfolger sind der Pharmakonzern Astra-Zeneca die französische Bank BNP Paribas sowie der britischen Versicherer CGNU.

Für die Umschichtung in den Stoxx-Indizes gilt die sogenannte 40/60 Regel. Solange es ein Index-Mitglied unter die ersten 60 Unternehmen schafft, gleichzeitg aber kein potentieller Nachfolger auf die ersten 40 Plätze vorstößt, bleibt das abstiegsgefährdete Unternehmen im Index. Die Metro AG belegte auf der maßgeblichen Stoxx-Rangliste mit einer Marktkapitalisierung von knapp 5,3 Milliarden Euro nur noch den 68. Rang. Electrabel kam mit einem Börsenwert von gut 7,4 Milliarden Euro nur noch auf Platz 61. Hingegen erreichten San Paolo Imi immerhin Platz 41 und Danone Rang 36.

Eine weitere wichtige Entscheidung fällte die Stoxx Ltd. bereits früher. Sie tritt am 18. September in Kraft. Bisher war die gesamte Marktkapitalisierung (alle Aktien des Unternehmens multipliziert mit dem Kurswert) das Kriterium für die Gewichtung im Index. In Zukunft werden so genannte Block-Anteile nicht mehr berücksichtigt. Dazu gehören neben Staatsaktien auch Überkreuzbeteiligungen von Unternehmen und Anteile einzelner Eigner im Familienbesitz, die mehr als fünf Prozent ausmachen. Diese Umstellung trifft vor allem ehemalige Staatsunternehmen, wie die Deutsche Telekom und die France Télécom. Aber auch große Versicherungskonzerne wie beispielsweise die Allianz dürften davon betroffen sein.

Die Investmentbanker von Schroder Saloman Smith Barney haben berechnet, dass das Gewicht der Telekommunikationswerte im Euro Stoxx um gut vier Prozent fallen, während das Gewicht der Technologietitel um gut drei Prozent zunehmen wird. Auch die Energiewerte werden ihr Gewicht steigern können.

Fachleuten halten die Bewertung auf Basis der frei handelbaren Aktien (Free Float) aber für die weitaus fairere Lösung. Denn nur so lasse sich die wahre Börsenbedeutung einer Aktie korrekt in den Indizes abbilden. Fondsmanager, die sich mit ihren Investitionen eng an einem Index orientieren, klagten, dass die bisherige Methode bei Werten mit einer starken Kapitalisierung und hohem Festbesitzanteil zu einer künstlichen Verknappung und damit zu überhöhten Kursen führe.

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