Strafanzeige : Verdi wirft Aldi Nord Bestechung vor

Schwere Vorwürfe gegen Aldi Nord: Die Gewerkschaft Verdi zeigt den Discounter wegen Bestechung und Verstöße gegen das Betriebsverfassungsgesetz an. Die Betriebsräte-Organisation AUB soll mit 350.000 Euro geschmiert worden sein.

EssenDie Gewerkschaft Verdi wirft der Handelskette Aldi Nord nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" in einer Strafanzeige Bestechung und Verstöße gegen das Betriebsverfassungsgesetz vor. Anlass für die Anzeige sei eine verdeckte Unterstützung der Arbeitnehmerorganisation AUB durch Aldi Nord in Höhe von insgesamt rund 350.000 Euro, berichtet die Zeitung in ihrer Samstagausgabe. Die AUB habe als "Gegenleistung" in den Filialen von Aldi Nord Stimmung gegen Verdi gemacht, behaupte die Gewerkschaft. Das Unternehmen weise die Vorwürfe zurück.

Die Essener Staatsanwalt Wilhelm Kassenböhmer bestätigte am Freitag den Eingang einer entsprechenden Anzeige. "Inhaltlich kann ich noch überhaupt nichts dazu sagen", sagte Kassenböhmer. Aldi Nord war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Übernahme von Personalkosten

Gegenüber der Zeitung sagte der Essener Geschäftsführer der Aldi Einkauf GmbH, Rainer Kämpgen, man habe sich korrekt verhalten. Kämpgen habe auf Anfrage eingeräumt, Aldi Nord habe über Jahre hinweg die Personalkosten für einen AUB-Referenten übernommen, der Betriebsräte der Supermarktkette schulte, so die Zeitung. Die Zahlungen seien über eine Essener Anwaltskanzlei an eine Unternehmensberatungsfirma des langjährigen AUB-Vorsitzenden Wilhelm Schelsky erfolgt.

Die Anzeige von Verdi beruhe auf Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth in der Affäre um die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB). Die Siemens AG habe für den Auf- und Ausbau der AUB von 1991 bis 2006 insgesamt gut 50 Millionen Euro an den damaligen AUB-Vorsitzenden Schelsky gezahlt. Nach Ansicht der Nürnberger Staatsanwaltschaft sei das illegal gewesen. Schelsky sitzt seit Februar 2007 in Untersuchungshaft. Der frühere AUB-Chef und ein ehemaliger Siemens-Vorstand sollen ab Herbst wegen verschiedener Finanzdelikte vor Gericht stehen. Die alte Siemens-Spitze habe mit der AUB ein Gegengewicht zur IG Metall schaffen wollen. (sgo/dpa)

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