Streik an den Berliner Flughäfen : Mehr als 460 Flüge fielen aus

Der Ausstand des Bodenpersonals bringt den Reiseverkehr an den Berliner Flughäfen zum Erliegen. Passagiere sind verärgert.

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Die Fluggesellschaft Air Berlin leitete Fluggäste am Freitag per Flixbus nach Hannover um.
Die Fluggesellschaft Air Berlin leitete Fluggäste am Freitag per Flixbus nach Hannover um.Foto: Tobias Schwarz/ AFP

So geruhsam geht es an den Berliner Flughäfen selten so: Der Streik des Bodenpersonals hat am Freitag zum Ausfall hunderter Flüge geführt und sowohl den Airport Tegel als auch den Flughafen in Schönefeld weitgehend lahmgelegt. In Tegel wurden streikbedingt 466 Verbindungen inklusive Frachtflüge gestrichen und in Schönefeld 204, teilte der Airport-Betreiber mit. Ein Chaos blieb aber aus, da viele Fluggäste vorab informiert waren und deshalb gar nicht erst zu den Flughäfen kamen. Betroffen waren Zehntausende Passagiere.

Air Berlin strich 202 Flüge

202 Annullierungen gab es allein bei Air Berlin. Die Fluggesellschaft sagte bis auf eine Ausnahme sämtliche Inlandsflüge ab. Die Langstreckenverbindungen fanden hingegen statt. Air Berlin hatte ihre Mitarbeiter im Intranet aufgerufen, dafür ausnahmsweise Aufgaben des Bodenpersonals zu übernehmen. Passagiere der Airline mit Flugzielen wie Mallorca und den Kanarischen Inseln wurden mit Fernbussen der Firma Flixbus nach Hannover transportiert und am dortigen Flughafen abgefertigt. Weil in den Bussen nicht genügend Stauraum vorhanden war, wurde das Gepäck der Flugreisenden teilweise mit zusätzlichen Transportern separat zum Flughafen der niedersächsischen Landeshauptstadt gebracht. Kunden der Air Berlin mit innerdeutschen Zielen konnten ihr Flugticket ebenso wie die Passagiere von Lufthansa und Eurowings kostenlos gegen eine Bahnfahrkarte eintauschen.
Hintergrund des Ausstands ist der andauernde Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Forum der Bodenverkehrsdienstleister, in dem die an den Flughäfen tätigen Unternehmen organisiert sind. Verdi will deutliche Lohnerhöhungen. Bisher gebe es keine Streikbrecher, sagte Verdi-Streikleiter Enrico Rümker. „Es arbeitet keiner an den beiden Flughäfen.“ In einer Urabstimmung vor rund einer Woche hatten sich 98,6 Prozent der Verdi-Mitglieder für den Ausstand ausgesprochen.

Passagiere sind verärgert

Die Stimmung gestrandeter Passagiere am Flughafen Tegel bewegte sich am Freitagmorgen zwischen Resignation und Ärger. „Uns geht zwar gerade ein Urlaubstag verloren, aber wir gewöhnen uns langsam fast daran. Es ist nicht der erste Streik von dem wir betroffen sind“, sagte Rolf Pöschke aus Magdeburg. Er wollte am Freitag mit Freunden von Tegel nach Faro fliegen und wurde wegen des Streiks nach Hannover umgeleitet. „Ich habe für den Streik kein Verständnis“, ärgerte sich eine Reisende, die gerade aus New York gelandet war. „Ich habe gerade über eine Stunde auf mein Gepäck gewartet. Die Auswirkungen der Arbeitsniederlegung treffen genau die Falschen. Ohne uns Passagiere hätte das Bodenpersonal gar keine Arbeit. Wir finanzieren ihre Löhne.“

Der Streik könnte kommende Woche weitergehen

Ob es auch in der kommenden Woche zu Streiks kommt, ist bislang offen. Man erwarte „endlich ein vernünftiges, verhandlungsfähiges Angebot“ der Arbeitgeber, sagte Verdi-Verhandlungsführer Enrico Rümker am Freitag. „Und wenn nicht, sind wir gewillt, mit weiteren Streiks auch unsere Forderungen durchzusetzen.“ Als mögliche Termine für weitere Ausstände hat Verdi offenbar den Montag und Dienstag im Visier. Die Dienstleistungsgewerkschaft fordert für die mehr als 2000 Mitarbeiter des Bodenpersonals eine Erhöhung des Stundenlohns um einen Euro auf zwölf Euro und einen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von einem Jahr. „Wir wollen für die Arbeit, die wir hier leisten, vernünftig bezahlt werden“, sagte Rümker. Die Arbeitgeberseite bietet etwa zehn Cent mehr Geld in der Stunde über vier Jahre.

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