Wirtschaft : Streik auf’m Bau, Annäherung bei Telekom Bewegung im Tarifstreit / Einigung vermutlich heute

Berlin - Mit rund 1000 Bauarbeitern hat die IG BAU am Montag ihren Arbeitskampf in Niedersachsen und Schleswig-Holstein begonnen. Nach Angaben der Gewerkschaft waren 110 Baustellen betroffen. Während sich somit der Tarifkonflikt in dieser Branche zuspitzt, gibt es bei der Deutschen Telekom Bewegung. In den drei neuen Service-Gesellschaften soll ein Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bis Ende 2012 gelten und damit deutlich länger als bislang geplant. Darauf verständigten sich die Gewerkschaft Verdi und das Unternehmen am Montag in Bad Neuenahr, wo bereits seit Mitte der vergangenen Woche verhandelt wird. In Gewerkschaftskreisen hieß es, eine endgültige Einigung werde für Dienstagnachmittag erwartet. In dem Konflikt geht es um die Auslagerung von rund 50 000 Telekom-Beschäftigten. Die nun ausgehandelte Regelung zum Kündigungsschutz gilt aber nur, wenn auch bei Arbeitszeit und Gehalt ein Kompromiss erreicht wird. Zum 1. Juli sollen die Mitarbeiter aus der Festnetzsparte T-Com ausgelagert werden und in den neuen Service-Gesellschaften länger arbeiten und weniger verdienen.

Auf dem Bau geht es um die Anerkennung eines Tarifabschlusses. Die zwei Arbeitgeberverbände in Niedersachsen und Schleswig-Holstein hatten den vom früheren Wirtschaftsminister Wolfgang Clement erreichten Schlichterspruch nicht akzeptiert, wonach es in diesem Jahr eine Lohnerhöhung um 3,1 Prozent sowie eine Einmalzahlung in Höhe von 0,4 Prozent geben sollte. Clement warf den Arbeitgebern am Montag vor, den Flächentarif zu gefährden. „Das Baugewerbe ist ein wanderndes Gewerbe und nicht in Ländergrenzen einzuordnen“, sagte er. Deshalb sei in dieser Branche ein Flächentarifvertrag noch notwendiger als etwa in der Metall- und Elektroindustrie.

IG BAU-Chef Klaus Wiesehügel warnte vor einem „Zerbrechen des gesamten Tarifwerks der deutschen Baubranche“. Seine Gewerkschaft werde in Norddeutschland so lange streiken, bis die dortigen Arbeitgeber den Schlichterspruch akzeptierten. Der Baugewerbeverband Niedersachsen warf der Gewerkschaft vor, die falschen Firmen zu bestreiken. Von dem Ausstand seien die Bauunternehmen betroffen, die Tarif zahlten und die von nicht tarifgebundenen Wettbewerbern und deren Billiglöhnen bedroht würden. „Der Tarifabschluss ist einfach zu hoch, da muss deutlich nachgebessert werden“, sagte der Sprecher des niedersächsischen Baugewerbeverbandes. alf/dpa

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